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Flüchtlinge in Griechenland : Polizei räumt Camp in Idomeni

Mazedonien hindert seit Wochen tausende Flüchtlinge an der Einreise. Nun wird das inoffizielle Camp in dem griechischen Grenzort Idomeni geräumt.

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Nach der Räumung des Flüchtlingscamps in Idomeni werden die Flüchtlinge mit Bussen nach Athen gebracht
Nach der Räumung des Flüchtlingscamps in Idomeni werden die Flüchtlinge mit Bussen nach Athen gebrachtFoto: Alexandros Avramidis/Reuters

Nach wochenlangem Schwebezustand wird der Flüchtlingscamp Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze geräumt. Am frühen Mittwochmorgen begann die griechische Polizei mit der Aktion, wie Helfer und Journalisten von dort berichteten. Mehrere tausend Flüchtlinge befanden sich zwischenzeitlich in dem inoffiziellen Lager an der Bahnstation des Grenzortes, am Morgen bei Beginn der Räumung waren es laut Augenzeugen noch 1000 bis 1500. Notfalls sollte von den griechischen Behörden Gewalt angewendet werden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte auf Twitter mit, ihre Ärzte und Krankenpfleger seien am Mittwoch am Betreten des Geländes gehindert worden. Die französische Journalistin Adea Guillot berichtete, Ziel der Behörden sei es, alle Flüchtlinge, die nicht aus Syrien, Afghanistan und dem Irak stammen, zurück in die griechische Hauptstadt Athen zu bringen. Aus anderen Quellen hieß es, Fotografen in Idomeni seien von den griechischen Behörden festgesetzt worden.

Die Migranten sollten zunächst in Bussen nach Athen gebracht werden, damit sie dann von dort die Heimreise in ihre Heimatländer antreten, wie ein Polizeisprecher sagte. Bis zum frühen Nachmittag hatten nach Angaben der Organisation Medico 13 Busse mit etwa 650 Flüchtlingen das Camp verlassen. Die griechischen Behörden hätten eine drei Kilometer breite Sperrzone rund um das Camp gezogen, in die Journalisten und andere Beobachter nicht hineindurften.

Die Aktion lief zunächst weitgehend friedlich ab. Ein harter Kern von 400 bis 500 Migranten befand sich am frühen Nachmittag aber noch im Lager - zumindest ein Teil von ihnen war entschlossen, sich gegen den Abtransport nach Athen zur Wehr zu setzen. Vertreter von Hilfsorganisationen erklärten, am Nachmittag sei es im Laufe der Räumung ruppiger zugegangen.

Die Zustände in dem Lager waren seit Wochen chaotisch. Die Temperaturen nachts lagen nahe null Grad, nicht für alle Flüchtlinge gab es Zelte und Schlafsäcke. Müll türmte sich. Nur notdürftig konnte die Versorgung der Flüchtlinge mit Essen und Getränken sichergestellt werden, meist durch Nichtregierungsorganisationen und ehrenamtliche Helfer.

Der für Migration zuständige Vizeminister Griechenlands, Ioannis Mouzalas, hatte am Montag angekündigt, gegen das Chaos in der nordgriechischen Grenzstadt notfalls gewaltsam vorgehen zu wollen. Seit zehn Tagen würden dort Migranten die Eisenbahnschienen besetzen, "da muss man sich als Staat wehren", sagte er dem griechischen Fernsehsender Mega. "Wir geben uns unglaublich Mühe, die Situation gewaltfrei zu lösen", versicherte Mouzalas in dem Interview. "Aber eine Regierung muss auch die Gesetze durchsetzen."

Die Lage an der griechisch-mazedonischen Grenze ist seit Wochen angespannt. Tausende Menschen hatten in den vergangenen Wochen um die Einreise nach Mazedonien gekämpft. Das Balkanland ließ jedoch nur noch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan passieren und verwehrte all jenen die Ein- und Weiterreise, die als "Wirtschaftsflüchtlinge" gelten. Immer wieder kam es deshalb zu Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei. Viele der anderen Migranten, die vornehmlich aus Pakistan, dem Iran und aus afrikanischen Ländern stammen, hatten sich zum großen Teil geweigert, per Zug oder mit Bussen zurück nach Athen gebracht zu werden.

"Sehr viel Wut und Hass, der sich regelmäßig entlädt"

Thomas Kluttig, Helfer des Dresden-Balkan-Konvois, der in Idomeni im Hilfseinsatz ist, hatte am Dienstag im Interview mit dem Tagesspiegel zur Situation in Idomeni berichtet: "Die Lage ist sehr angespannt, weil viele Menschen an der Grenze festhängen, für die in Idomeni Schluss ist. Und deshalb ist dort auch sehr viel Wut und Hass, der sich regelmäßig entlädt. Die Leute demonstrieren an der Grenze. Dabei kommt es immer wieder zu Handgreiflichkeiten und Übergriffen zwischen Polizei und Flüchtlingen, die dann immer wieder eskalieren." Der Dresden-Balkan-Konvoi hatte Hilfsgüter nach Idomeni gebracht, regelmäßig morgens wurden die Migranten an einer Teeküche versorgt. Am Mittwoch berichtete der Dresden-Balkan-Konvoi auf Twitter: "Die Polizei lässt uns derzeit nicht zu unserem Küchenzelt, zum Spendenlager und zu unserem Auto und Anhänger."

"Schlepper werden profitieren"

Bernd Eichner von Medico schildert die Lage in Idomeni als "gespenstisch". Zum mazedonischen Grenzregime erklärte er: "Es gibt ein großes Tor, an dem stehen griechische und mazedonische Grenzbeamte. Man zeigt seine Registrierung oder Ausweispapier. Syrer, Iraker, Afghanen kommen durch. Alle anderen werden abgewiesen." Es komme einem vor, "als würde das Tor zum rettenden Europa bewacht wie von Türstehern an einer zweitklassigen Discothek". Wer nicht durchkomme, werde einfach mit einem "Go, go" abgewiesen. Das betrifft Somalis, Marokkaner, Bangladeschi und Iraner. Die Selektion der Flüchtlinge habe zu heftigen Auseinandersetzungen unter den Flüchtlingen selbst geführt. "Flüchtlingsgruppen, die nicht durchgelassen werden, haben mit Gewalt darauf beharrt: Alle oder keiner." Deshalb habe sich der UNHCR aus der Versorgung des Lagers zurückgezogen.

Eichner sagte weiter, nach der Räumung des Camps sehe man nun überall in den Dörfern kleine Gruppen von Flüchtlingen, die versuchten, die Grenze auf anderen Wegen zu überschreiten. "Die Schlepper sind also wieder im Geschäft. Denn es gibt große Angst vor den mazedonischen Militärs, viele Gerüchte, darunter, dass Flüchtende beim nichtlegalen Grenzübertritt angeschossen wurden. Dann sucht man den Kontakt zu denen, die sich auskennen. Die Räumung wird also das Schleppergeschäft wieder stärken. Sie sind die einzigen, die profitieren."

Amnesty International (AI) hatte Mazedonien Ende vergangener Woche vorgeworfen, mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Flüchtlinge vorzugehen. Entsprechende Berichte über die Lage an der mazedonisch-griechischen Grenze seien "sehr alarmierend", erklärte die Menschenorganisation in London. AI rief Mazedonien zur Zurückhaltung auf. Das Vorgehen erhöhe nur die Spannungen, internationale Standards seien einzuhalten.

Anfang Dezember war an der Grenze ein Flüchtling durch einen Stromschlag ums Leben gekommen. Seine verbrannte Leiche habe am Donnerstag vergangener Woche neben Bahngleisen gelegen, berichtete damals ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. Es war das erste Mal, dass ein Migrant an der griechisch-mazedonischen Grenze umkam. Der Tote stammt vermutlich aus Marokko.

In diesem Jahr sind bereits mehr als 600.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen. Die meisten machten sich in Holz- oder Schlauchbooten von der Türkei aus auf den Weg. Tausende ertranken bei dem Versuch. Am Mittwoch entdeckte die griechische Küstenwache die Leichen von elf Menschen im Meer. Darunter waren fünf Kinder. Die Küstenwache konnte 23 Menschen aus einem gesunkenen Holzboot retten, 13 werden noch vermisst. (mit dpa/rtr)


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