Geschichte : Die Emser Depesche (1870)

Streng genommen handelt es sich nicht um eine Fälschung, eher um eine Zuspitzung mit dramatischer Wirkung. Ihren Anfang nahm die Geschichte in Spanien, wo ein Königsthron zu vergeben war, nachdem Isabella II. von einer Militärjunta ins Exil vertrieben wurde. Größte Chancen auf den Posten hatte der preußisch-deutsche Kandidat, ein Spross des Hauses Hohenzollern. In Frankreich allerdings wertete man die Bewerbung als Affront, schlimmer, als versuchte Einkreisung, saß doch auf dem preußischen Königsthron mit Wilhelm I. ebenfalls ein Hohenzoller, von Hohenzollern wollte man nicht umgeben sein. Die Franzosen forderten ultimativ, solche Anstrengungen zu unterlassen. Der deutsche Kandidat verzichtete darauf dankend.

Die diplomatische Krise dauerte aber an. Preußen müsse für alle Zeiten auf den spanischen Thron verzichten, verlangten die Franzosen. Preußens König reagierte unwirsch und teilte das Otto von Bismarck, seinem Ministerpräsidenten, in einer Depesche aus seinem Kurort Bad Ems so mit. Allerdings mit dem Hinweis, er habe dem französischen Gesandten seine Haltung erklärt und wolle erst mal abwarten, was denn sein lieber Verwandter genau gesagt habe zum spanischen Thron.

Bismarck las, erkundigte sich, ob denn die eigenenTruppen kriegsfähig seien. Dann gab er des Königs Emser Depesche an die Presse, allerdings in stark gekürzter Form. Den Mittelteil ließ Bismarck weg, bei ihm hieß es nun: Der König habe es abgelehnt, den französischen Botschafter zu empfangen, und er habe ihm auch nichts mehr mitzuteilen. Was in dieser Form und ohne jede diplomatische Erklärung so viel hieß wie: Ihr könnt mich mal. Fünf Tage später erklärte Frankreich den Krieg, der 1871 mit einer französischen Niederlage und der Gründung des Deutschen Reichs endete.

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