Politik : Günstig finanziert

Bankexperten sind erstaunt über Wulffs zeitweilige Kreditkonditionen.

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Zumindest mit seinem Kredit von der Unternehmerfamilie Geerkens und mit der zwischenzeitlichen Ablösung dieses Darlehens über einen Geldmarktkredit der BW-Bank hat Bundespräsident Christian Wulff nach Einschätzung von Finanzexperten und Bankern kein schlechtes Geschäft gemacht. Die Ersparnis für Wulff könnte sich auf einen vierstelligen, möglicherweise sogar auf einen niedrigen fünfstelligen Betragen belaufen, sagt der Frankfurter Baufinanzierungsexperte Max Herbst. Banker äußern sich in Frankfurt nur hinter vorgehaltener Hand über das Thema. Doch wird mit Verwunderung registriert, dass Wulff überhaupt einen Kredit von einem befreundeten Unternehmerpaar angenommen hat. „Das macht man einfach nicht“, sagt der Vertreter einer renommierten Privatbank. „Wenn man als Ministerpräsident eine Immobilie finanzieren will, geht man wie jeder andere Häuslebauer zu einer Bank.“

Erstaunt sind manche Banker auch darüber, dass die BW-Bank Wulff einen „rollierenden Geldmarkt-Kredit“ gewährt hat, als er das Geerkens-Darlehen abgelöst hat. Der Zins für solche eigentlich nur zwischen Banken üblichen Darlehen richtet sich nach dem Interbanken-Zins Euribor. „Das ist sehr ungewöhnlich für normale Kunden. Eigentlich sind solche Kredite für Handelsunternehmen gedacht. Oder allenfalls für Kunden mit einem flüssigen Vermögen von mindestens zwei Millionen Euro“, sagt ein Banker. Erst in diesen Vermögensregionen sind die Konditionen zwischen Kunden und Bank Verhandlungssache.

Allerdings gibt es auch Experten, die betonen, eine solche Zwischenfinanzierung sei überhaupt nicht ungewöhnlich. So bieten Baufinanzierer für jeden Kunden so genannte Flex-Darlehen an, bei denen der Zinssatz alle drei Monate an den Euribor angepasst wird. Vorteil: Man kann das Darlehen kostenfrei jederzeit tilgen und es jederzeit in eine Festzins-Hypothek umwandeln. „Das Flex-Darlehen ist ideal für jeden, der maximale Flexibilität sucht und auf fallende Zinsen spekuliert“, wirbt ein Anbieter. Der Zins-Aufschlag liegt bei 1,5 Prozentpunkten auf den Euribor.

Wulff dagegen musste nach Angaben von Herbst bei dem von der BW-Bank gewährten Geldmarkt-Kredit nur einen Aufschlag von 0,3 Punkten zahlen. Er zahlte seinen Anwälten zufolge einen variablen Zins zwischen 0,9 und 2,1 Prozent. Pro Jahr hätte Wulff so rund 7000 Euro gespart, sagt Herbst. Schon zuvor beim Geerkens-Kredit über 500 000 Euro hat Wulff laut Herbst jährlich ähnliche hohe Ausgaben vermieden. Der Zins lag bei vier Prozent, am Markt seien im Oktober 2008 aber mehr als fünf Prozent üblich gewesen. In den Augen von Baufinanzierungsexperte Herbst ist der Bundespräsident mehr als ein Finanzgenie. Er glaube nicht, dass ein anderer Kunde in Deutschland im Rückblick ein Objekt so günstig finanziert habe. Mit dem ab Januar vereinbarten Hypothekendarlehen mit 15jähriger Laufzeit bewegt sich Wulff jetzt aber im für Bauherren normalen Bereich. Auch der effektive Jahreszins von 3,62 Prozent sei absolut marktüblich, sagen Experten.

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger bestritt derweil eine Beteiligung beim Zustandekommen des zinsgünstigen Kredits der landeseigenen BW-Bank. „Ich bin da völlig außen vor. Ich habe davon aus der Zeitung erfahren“, sagte der EU-Energiekommissar der „Bild“-Zeitung.

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