Hart aber fair : Der WDR füttert die Falschen

Der WDR löscht eine sexistische Sendung - und bestärkt damit die Antifeministen. Ein Kommentar.

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Hart an der Grenze des Erträglichen: Die Sendung zum "Gleichheitswahn" war ein gutes Dokument dafür, wie wichtig der Kampf um Gleichheit weiterhin ist.
Hart an der Grenze des Erträglichen: Die Sendung zum "Gleichheitswahn" war ein gutes Dokument dafür, wie wichtig der Kampf um...Foto: Jörg Carstensen/dpa

Es sind schwere Tage für den WDR, zu Recht. Blogger, Medienpolitiker und Meinungsäußerer aller Art hacken derzeit via Twitter und Facebook auf den Programmverantwortlichen des Westdeutschen Rundfunks herum. Der Grund: Am 18. August hatte der Rundfunkrat des WDR auf eine Beschwerde von Frauenverbänden in NRW hin empfohlen, eine Folge von „Hart aber fair“ vom März mit dem Titel „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ aus der Mediathek zu nehmen. Die Programmverantwortlichen löschten die Sendung tatsächlich – auch wenn WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn das als „souveräne“ Entscheidung des Senders verstanden wissen will, die vor der Empfehlung des Rundfunkrates erfolgt sei. So oder so wird dem WDR jetzt „Zensur“ vorgeworden.

Der WDR spielt mit dem Löschen der "Hart aber fair"-Sendung den Antifeministen in die Hände

Das Löschen der Sendung war aus zwei Gründen eine große Torheit. Aus Sicht der Pressefreiheit ist es ohnehin bedenklich. Zudem hat der Westdeutsche Rundfunk der Sache der Gleichstellung doppelt und dreifach geschadet.

Die Sendung (die natürlich nicht weg ist, sondern auf Youtube noch immer zu sehen) ist im Grunde ein wunderbarer Beleg dafür, dass die Anliegen des Feminismus keineswegs, wie Moderator Frank Plasberg mehrfach suggerierte, überflüssiges Befindlichkeitstheater in einer plemplem gewordenen Wohlstandsgesellschaft sind – sondern bitter nötig. Gerade das schenkelklopfende Niveau der Plasberg-Sendung zeigte ja, wie tief in vielen Köpfen noch immer die Vorstellung sitzt, die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien nun einmal auf unterschiedliche biologische Veranlagungen zurückzuführen, oder, um es mit Talkgast Wolfgang Kubicki (FDP) zu sagen: Jungen sind wettbewerbsorientiert, Mädchen sind es nicht.

Die Gender-Gegner sehen sich in ihren Verschwörungstheorien bestätigt

Dadurch, dass der WDR die Sendung aus dem Programm nahm, spielte der Sender nun zusätzlich den Feministinnen-Hassern im Internet in die Hände. Sie sehen sich bestätigt. Twitterer legen die „Zensur“ nämlich nicht dem Sender, sondern dem „jämmerlichen Heulsusenverein“ zur Last, der die Beschwerde beim Rundfunkrat eingelegt hatte – also den Frauenverbänden – und sehen das als Beleg für ihre Verschwörungstheorie von einer dunklen, radikalfeministischen Macht, die Politik und Medien gleichermaßen infiltriert hat.

Plasberg will nun „voraussichtlich“ in der übernächsten Sendung das Thema „Gleichberechtigung der Geschlechter erneut aufgreifen“, wie es in einer Mitteilung des Westdeutschen Rundfunks heißt. Von „erneut“ kann allerdings keine Rede sein. Dass die „Gleichberechtigung“ tatsächlich Thema der ersten Sendung war, lässt sich nun wirklich nicht sagen. Aber nur zu. Es dürfte zumindest erneut lehrreich werden.

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