• Herfried Münkler über Deutschtürken: "Merkels Loyalitätsforderung war nicht hilfreich"

Herfried Münkler über Deutschtürken : "Merkels Loyalitätsforderung war nicht hilfreich"

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hält Angela Merkels Loyalitätsforderung an Deutschtürken für verfehlt. Sie begünstige deren Integration nicht. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin lobt er dagegen.

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Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler.
Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler.Foto: Arno Burgi/dpa

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler hat die Loyalitätsforderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Deutschtürken verurteilt. Für eine gelungene Integration sei Merkels Appell "gar nicht" hilfreich, sagte der Wissenschaftler dem Tagesspiegel am Sonntag.

Vor dem Hintergrund deutsch-türkischer Spannungen nach der Niederschlagung des Militärputsches in der Türkei hatte die Kanzlerin kürzlich erklärt: "Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln."

Der einflussreiche Berliner Wissenschaftler verteidigte allerdings die Grundlinien von Merkels Flüchtlingspolitik des vergangenen Jahres mit ethischen und sozioökonomischen Gründen. Weil die Deutschen den vom Bürgerkrieg heimgesuchten Syrern nicht helfen könnten, müssten sie dies "kompensieren durch ein höheres Maß an Mitleid und Barmherzigkeit", erklärte er.

Zudem seien Wirtschaft und Sozialsystem wegen der demografischen Entwicklung auf junge Arbeitskräfte angewiesen. "Die Bundesrepublik braucht jedes Jahr eine halbe Million Zuwanderer", sagte Münkler anlässlich des Erscheinens seines jüngsten Buches "Die neuen Deutschen", das er gemeinsam mit seiner Frau Marina Münkler verfasste, die in Dresden Literaturwissenschaft lehrt.

Die Deutschen bräuchten keine Angst vor der Zuwanderung aus anderen Kulturen zu haben, sagte die Professorin und Mitautorin: "Wir müssen nicht auf Abschottung setzen und können unsere Identität trotzdem bewahren."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Printausgabe des "Tagesspiegel am Sonntag", ab 19.30 Uhr am Sonnabend auch schon als E-Paper verfügbar.

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