Islam in Deutschland : Immer mehr Deutsche sind islamfeindlich

Die Angst vor dem Islam unter Nicht-Muslimen wächst, zeigt eine Bertelsmann-Studie. Und unterstreicht zugleich, wie sehr sich die überwiegende Mehrheit der Muslime mit dem deutschen Staat verbunden fühlt.

Ein betender Mann am "Tag der offenen Moschee" in Hamburg.
Ein betender Mann am "Tag der offenen Moschee" in Hamburg.Foto: dpa

Die Ablehnung des Islam ist in Deutschland weit verbreitet - und wird außerdem immer größer. Demnach empfindet eine Mehrheit von 57 Prozent der nicht-muslimischen Bundesbürger den Islam als Bedrohung, wie eine am Donnerstag von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Umfrage zeigt. Im Jahr 2012 seien es 53 Prozent gewesen. In scharfer Diskrepanz dazu steht, dass sich die meisten der rund vier Millionen Muslime als Teil des Landes fühlen, was ebenfalls aus der Studie hervorgeht.

Wie die Stiftung berichtet, belegt die Studie eine "starke Verbundenheit der Muslime mit Staat und Gesellschaft". So halten 90 Prozent der hochreligiösen Muslime die Demokratie für eine gute Regierungsform. Fast zwei Drittel (63 Prozent) derjenigen, die sich als ziemlich oder sehr religiös bezeichnen, überdenken regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Heirat von homosexuellen Paaren stimmen rund 60 Prozent der ziemlich oder sehr religiösen Muslime zu.

Dagegen steht ein großes Misstrauen in der nicht-muslimischen Bevölkerung. Laut der Studie sind 61 Prozent der nicht-muslimischen Bundesbürger der Meinung, der Islam passe nicht in die westliche Welt. Im Jahr 2012 sagten dies 52 Prozent. 40 Prozent der Befragten fühlen sich durch Muslime "wie Fremde im eigenen Land". Jeder Vierte will Muslimen sogar die Zuwanderung nach Deutschland verbieten.

Die Einstellung hängt stark vom Alter und dem persönlichen Kontakt zu Muslimen ab: Von den über 54-Jährigen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht, von den unter 25-Jährigen hingegen nur 39 Prozent. Die Angst ist zudem dort am stärksten, wo die wenigsten Muslime leben. In Nordrhein-Westfalen, wo ein Drittel von ihnen wohnt, fühlen sich 46 Prozent der Bürger bedroht. In Thüringen und Sachsen, wo kaum Muslime leben, äußern das 70 Prozent.

"Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat, sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird", erklärte die Islam-Expertin der Bertelsmann-Stiftung, Yasemin El-Menouar. Sie warnte vor der Gefahr einer "breit durch die Bevölkerung gehenden Islamfeindlichkeit" in Deutschland. El-Menouar forderte eine "stärkere Anerkennung und Wertschätzung der Muslime und ihrer Religion". Es gebe vieles in Deutschland, was Muslime und Nicht-Muslime verbinde. "Daraus kann ein Wir-Gefühl wachsen", zeigte sich die Islam-Expertin überzeugt.
Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte im Nachrichtensender n-tv, die Studie zeige sehr deutlich den Widerspruch, dass Muslime sich hier mehrheitlich sehr verankert fühlten und gleichzeitig davon gesprochen werde, dass viele Deutsche den Islam ablehnten. Ihr Eindruck sei, dass unter diesem Islam-Bild etwa ein Anschlag wie in jüngst auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" Paris verstanden werde. "Da müssen wir sehr schnell daran arbeiten, damit unsere Gesellschaft nicht auseinanderbricht mit falschen Bildern", warnte Özoguz.

Die Angaben zur Einstellung der Muslime und der nicht-muslimischen Bevölkerung in Deutschland basieren auf der Sonderauswertung Islam des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung sowie einer Emnid-Umfrage von Ende November zur Einstellung der deutschen Bevölkerung zum Islam. AFP

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