Politik : Islamistischer Verein vor Verbot

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Berlin - Als Reaktion auf den tödlichen Anschlag auf US-Soldaten am Flughafen von Frankfurt am Main prüft der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) ein rasches Verbot des islamistischen Vereins „Dawa FFM“. Die 2008 gegründete Gruppierung in Frankfurt, das Wort Dawa bedeutet Mission, soll für die Radikalisierung des Attentäters Arid U. (21) mitverantwortlich sein. Ende Februar hatte die Polizei den mutmaßlichen Kopf der Gruppe, den Marokkaner Scheich A., kurzzeitig festgenommen und seine Wohnung sowie die Wohnungen vier weiterer Islamisten durchsucht. Dem Prediger und seinen Anhängern wird vorgeworfen, junge Muslime für den Heiligen Krieg geworben zu haben. Die Behörden untersuchen auch, ob Arid U. Kontakte zum deutschsyrischen Dschihadisten Rami M. unterhalten hat, der im Juni 2010 in Pakistan festgenommen wurde.

Arid U. hatte auf seiner Facebook-Seite auch einen Link zur Homepage „Dawa- News“, deren Verbindung zu „Dawa FFM“ jedoch unklar bleibt. Auf der Seite wird gegen Nichtmuslime gehetzt. Aktuelles Beispiel sind die Kommentare zu dem Anschlag, bei dem zwei amerikanische Soldaten getötet und zwei weitere schwer verletzt wurden. „Schuld haben die US-Soldaten selber“, heißt es. In einem anderen Kommentar wird die Vernichtung der „Kufr“ (Ungläubigen) propagiert. Außerdem behauptet in einem Video der in der Szene populäre Konvertit und Ex-Boxer Pierre Vogel, der Attentäter habe „auf eine Art entschuldbar gehandelt“, weil er „Angst gehabt hat für seine Geschwister in Afghanistan und Irak“.

Vogel, Dawa FFM und Dawa News zählen zum Spektrum der Salafisten, die ein korantreues Leben verlangen. Von salafistischen Gruppierungen und ihrer Missionsarbeit gingen „hochgradig radikalisierende Wirkungen bis hin zum gewaltbereiten Dschihadismus“ aus, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, im Februar im Tagesspiegel-Interview. Frank Jansen

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