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Israel : Regierung schließt nach neuen Attentaten Lücken in der Sicherheitsmauer

Mit zusätzlichen Sperranlagen reagiert Israel auf die Zunahme von Attentaten in den vergangenen Tagen. Unter anderem war ein US-Tourist von einem Palästinenser getötet worden.

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Polizei sichert nach dem Attentat eines Palästinensers das Gelände im Osten von Jerusalem.
Polizei sichert nach dem Attentat eines Palästinensers das Gelände im Osten von Jerusalem.Foto: dpa

Die Reaktionen auf die Terrorwelle am Dienstag in Israel kamen prompt: Die Sicherheitsmauer, die Israel vom Westjordanland trennt und bislang noch einige Lücken aufweist, soll in der Gegend um Jerusalem und in den Bergen südlich von Hebron fertig gebaut werden. Das kündigte das Büro des Premierministers laut israelischen Medien an, nachdem sich Benjamin Netanjahu mit dem Verteidigungsminister, dem Minister für öffentliche Sicherheit, dem Polizeichef sowie Vertretern des Inlandsgeheimdienstes und der Armee zu einer Sicherheitsberatung getroffen hatte. Palästinensische Medien, die zur Gewalt aufrufen, sollen geschlossen werden.

Bei dem Treffen entschieden die Sicherheitsexperten auch eine beschleunigte Gesetzgebung hinsichtlich der Strafen für diejenigen, die illegal aus dem Westjordanland nach Israel Eingereiste transportieren und beherbergen. Immer wieder nutzen Palästinenser die Lücken in der Sicherheitsmauer, um so illegal nach Israel zu gelangen.

Auch der 22-jährige Bashar Masalha, der am Dienstagabend auf der Strandpromenade in Tel Aviv den 28-jährigen US-Touristen Taylor Force erstochen und zehn weitere Menschen verletzt hat, war illegal aus dem Dorf Auja nahe der Stadt Kalkilia im Westjordanland eingereist. Kurze Zeit vor der Attacke in Tel Aviv hat der 17-jährige Abd Al-Rahman Radad aus der Palästinenserstadt Zawia einen Passanten in Petach Tikwa, einem Nachbarort von Tel Aviv, mit einem Messer verletzt.

Zwei Palästinenserdörfer werden abgeriegelt

Beide Terroristen wurden überwältigt und getötet. Die israelische Armee kündigte am Dienstagabend Medienberichten zufolge an, die beiden Palästinensersdörfer Zawia und Auja abzuriegeln.

Außerdem entschieden die Politiker und Sicherheitsvertreter bei dem Treffen, dass Familienangehörige von Terroristen keine Arbeitsgenehmigungen mehr für Israel erhalten sollen. Palästinensische Medien, denen Hetze vorgeworfen wird, sollen geschlossen werden.

Nachdem es in den vergangenen Wochen etwas ruhiger geworden war, ist der Terror seit Dienstag in die Mitte des Landes zurückgekehrt. Am Mittwochmorgen versuchten zwei Terroristen aus Ostjerusalem, mit ihrem Auto einen Polizeibeamten und Zivilisten nahe einer Straßenbahnstation in Jerusalem zu überfahren. Ein 50-Jähriger wurde dabei verletzt. Die beiden Terroristen wurden von den Polizeibeamten getötet.

Am Tag zuvor wurden – ebenfalls in Jerusalem – zwei Grenzpolizisten bei einer Schießerei verletzt. Der 25-jährige Angreifer Fouad Tamim aus Isawia in Ostjerusalem feuerte auf die Beamten. Zuvor versuchte eine 51-jährige Frau aus Ostjerusalem einen Grenzpolizisten in der Altstadt Jerusalems zu erstechen. Beide Terroristen wurde von den Sicherheitsbeamten getötet.

US-Tourist bei Messerattacke eines Palästinensers getötet

Großes Aufsehen hatte die Messerattacke in Tel Aviv erregt, bei der am Dienstag ein US-Tourist getötet worden war. Bei demselben Angriff wurden den Behörden zufolge zehn weitere Menschen verletzt. Nach Angaben von Sanitätern erlitten vier von ihnen schwere Verletzungen. Bei dem Angreifer handelte es sich dem Bürgermeister von Tel Aviv, Ron Huldai, zufolge um einen Palästinenser. Er sei von der Polizei erschossen worden, sagte Huldai dem Armee-Rundfunk. Die Attacke ereignete sich in der Nähe eines bei Touristen beliebten Strands. Wenige Kilometer entfernt hielt sich zur Tatzeit US-Vizepräsident Joe Biden auf, der den ehemaligen israelischen Präsidenten Schimon Peres traf.

Junger Mann wehrt Angreifer mit Gitarre ab

Ein junger Mann in Israel hat den palästinensischen Attentäter in Tel Aviv mit seiner Gitarre abgewehrt und dann verfolgt. Israels Oppositionsführer Izchak Herzog vom Mitte-Links-Bündnis traf den 26-jährigen Jischai Montgomery am Mittwoch und erklärte ihn auf Twitter zu einem „israelischen Helden“. „Solange wir uns nicht von den Palästinensern trennen, werden hier weiter Juden ermordet werden“, schrieb Herzog zudem.

Er habe gerade auf einer Bank gesessen und auf seiner akustischen Gitarre gespielt, erzählte Montgomery der Nachrichtenseite ynet. Plötzlich sei der Attentäter mit gezücktem Messer auf ihn zugerannt. „Er sprang auf die Bank und versuchte, mit dem Messer auf mich einzustechen“, sagte er. „Ich habe die Gitarre genommen und ihn damit auf den Kopf geschlagen.“

Daraufhin sei der Palästinenser weitergelaufen. Montgomery rannte ihm laut schreiend hinterher, bis Polizisten kamen und den Attentäter erschossen. Bilder zeigten den bärtigen Israeli mit Pferdeschwanz und seiner schwer beschädigten Westerngitarre.

Israelischer Geheimagent am Rand des Gazastreifens getötet

Ein israelischer Geheimagent ist bei einem Einsatz am Rande des Gazastreifens getötet worden. Der Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet sei von einer Kugel tödlich verletzt worden, berichtete die israelische Nachrichtenseite ynet am Mittwoch nach Aufhebung einer Nachrichtensperre.

Es werde noch geprüft, ob der Mann bei dem Vorfall am Dienstag durch einen versehentlich gelösten Schuss oder durch Eigenbeschuss auf der israelischen Seite ums Leben kam. Der Gazastreifen ist seit fast zehn Jahren weitgehend blockiert und am Rande des Palästinensergebiets sind routinemaßig israelische Sicherheitskräfte im Einsatz. (mit dpa)

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