Politik : Israelis erschießen drei PKK-Sympathisanten bei Sturm auf Generalkonsulat in Berlin

BERLIN/TEL AVIV (Tsp).Die gewaltsamen Proteste von Kurden gegen die Verhaftung von PKK-Chef Öcalan sind am Mittwoch eskaliert.In Berlin wurden drei PKK-Sympathisanten von israelischen Sicherheitskräften erschossen, als sie das israelische Generalkonsulat stürmen wollten.16 Personen wurden verletzt.Israels Regierungschef Netanjahu bedauerte den Tod von Menschen, rechtfertigte aber den Einsatz von Gewalt.Die Bundesregierung reagierte bestürzt.Der Bundeskanzler stellte aber auch klar, daß Bonn mit aller Härte gegen Terror vorgehen werde.Auch in anderen Städten Europas gab es massive Auseinandersetzungen.

Israel schloß nach dem blutigen Vorfall alle Botschaften und Konsulate in Europa.Auch Kenia, von wo aus Öcalan in die Türkei gebracht worden war, schloß seine Vertrungen im Ausland.Über den Hergang der Aktion in Berlin gab es widersprüchliche Angaben.Zum Teil mit Eisenstangen bewaffnete Anhänger Öcalans hatten nach Polizeiangaben um kurz vor 14 Uhr versucht, das Generalkonsulat im Bezirk Wilmersdorf zu stürmen.Dabei hätten israelische Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet.Die Polizei nahm 120 Kurden fest.An der Schießerei waren nach Polizeiangaben die deutschen Behörden nicht beteiligt.Berlins Regierender Bürgermeister und die Bundesregierung reagierten bestürzt.

Israels Regierungschef Netanjahu sagte: "Wir sind verpflichtet, unsere Bürger und Einrichtungen zu schützen." Die Kurden seien mit Hämmern und Stöcken bewaffnet gewesen und hätten den Schutzring deutscher Polizisten durchbrochen.Der erste Kurde sei erschossen worden, nachdem er versucht habe, einem der israelischen Sicherheitskräfte die Waffe abzunehmen.Er wies Spekulationen zurück, der israelische Geheimdienst Mossad sei an der Verschleppung Öcalans in die Türkei beteiligt gewesen.

Anschließend nahmen die Kurden eine Geisel.Die israelische Generalkonsulin in Berlin, Shomrat, sagte dem Tagesspiegel, sie habe unter der Prämisse, daß keine Gewalt angewendet werde, grünes Licht für einen Polizeieinsatz gegeben.Die Geisel sei frei, alle Kurden hätten das Gebäude verlassen, kein Mitarbeiter des Konsulats sei zu Schaden gekommen.Nach kurdischer Darstellung eröffnete einer der israelischen Sicherheitskräfte ohne Vorwarnung das Feuer, als 20 bis 30 Kurden ins Gebäude gekommen seien, um zu diskutieren.

Nach Polizeiangaben starben zwei der Getöteten sofort, einer im Krankenhaus.Eine Person schwebte am Abend in Lebensgefahr.Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt.

In zahlreichen Städten kam es zu gewalttätigen Protesten.Bei einem Überfall in Hamburg wurde die dortige SPD-Zentrale verwüstet und der Kreisgeschäftsführer als Geisel genommen.25 bis 30 Kurden hatten das Gebäude gestürmt und warfen Möbel, Akten und Computer aus dem Fenster - zum Teil auf Polizisten.Eine Beamtin wurde verletzt.Die Besetzer drohten, das Gebäude und sich selbst in Brand zu setzten.

Bundesweit setzte die Polizei rund 1000 Kurden fest, die sich an Protesten beteiligt hatten.Der Bonner Regierungssprecher Heye forderte alle Beteiligten auf, "alles zu tun, um die Emotionen, die in diesem Zusammenhang geschürt worden sind, oder geschürt werden, zu unterlassen".Bundeskanzler Schröder appellierte an die Türkei, Öcalan einen fairen Prozeß zu machen und internationale Beobachter zuzulassen.Regierungschef Ecevit verbat sich alle Ratschläge von anderen europäischen Länder.

In der Nacht hatten die Türkei Öcalan-Anwälten die Einreise.Im Fernsehen wurde ein Video vom Flug Öcalans, auf der der Gefangene mit Handschellen gefesselt, und teils mit verbundenen Augen zu sehen war.

Das Auswärtige Amt erwägt, die Reisehinweise für die Türkei zu verschärfen.Der kurdische Exilpolitiker Isik warnte in der ARD vor Türkeiurlauben und forderte seine Landsleute auf, die touristischen Zentren "lahmzulegen".

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