Jan van Aken im Interview : Linken-Vizechef über die Sehnsucht nach Westerwelle

Dem neuen Außenminister Frank-Walter Steinmeier von der SPD traut er nicht so richtig. Dennoch ist der stellvertretende Linken-Vorsitzende Jan van Aken davon überzeugt, dass seine Partei mit SPD und Grünen auch in außenpolitischen Fragen auf einen Nenner kommen wird.

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Jan van Aken
Jan van Aken (52) ist seit Juni 2012 stellvertretender Vorsitzender der LinksparteiFoto: Sven Darmer/Davids

Herr van Aken, Deutschland hat nun erstmals eine Verteidigungsministerin. Könnten Sie 2017 der erste Linke Minister im Bendlerblock werden?

Nein, niemals Verteidigungsminister, nur Außenminister (lacht). Oder Friedensminister, denn ich setze mich ja vor allem für Abrüstung ein. Mir gefällt nicht, dass sich die letzten Verteidigungsminister immer stärker in außenpolitische Fragen eingemischt haben.

Dann bringt es also nichts, dass mit Frau von der Leyen nun eine als Modernisiererin bekannte Frau an der Spitze des Verteidigungsressorts steht?

Nur weil etwas neu oder modern daherkommt, ist es nicht gleich gut. Auch Guttenberg wollte ein Modernisierer sein. Wenn modern heißt, dass die Bundeswehr eine schlagkräftige, weltweit verfügbare Einsatztruppe ist, dann ist das gar nicht gut.

Guido Westerwelle pflegte als Außenminister eher eine Kultur der militärischen Zurückhaltung. Werden Sie ihm nachtrauern?

Nachtrauern ist ein großes Wort. Aber ich befürchte tatsächlich, dass es künftig Situationen geben wird, in denen ich mir wünschen werde, dass auf dem Stuhl des Außenministers nicht Steinmeier, sondern Westerwelle sitzen würde. Westerwelle hatte sich wenigstens getraut, die Bundeswehr nicht in den Libyen-Krieg zu schicken. 

Sie sind strikt dagegen, die Bundeswehr im Ausland einzusetzen, doch nicht mehr alle in ihrer Partei denken so. Wenn Ihr Fraktionschef Gregor Gysi zu dem Thema spricht, dann lehnt er Kampfeinsätze der Bundeswehr ab, sagt aber nichts mehr generell über jeden Auslandseinsatz. Bewegt sich da etwas?

Ja, das beobachte ich auch. Aber das ist nicht die Position der Linken.  In unserem Grundsatzprogramm steht, dass wir die Bundeswehr aus allen Auslandseinsätzen holen wollen. Und es ist klar, dass wir uns nicht an einer Regierung beteiligen werden, die Soldaten in einen Kampfeinsatz schickt. Das ist die rote Linie.

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