Politik : Juden und Muslime gegen Schröders Extremismusklausel

09.02.2011 17:32 UhrVon Frank Jansen / Johannes Radke

Berlin - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) gerät wegen ihrer umstrittenen „Extremismusklausel“ immer stärker unter Druck. Am Mittwoch forderten auch die Zentralräte der Juden und Muslime in Deutschland die Rücknahme der Erklärung. Schröder hatte durchgesetzt, dass ab 2011 Projekte gegen Rechtsextremismus nur noch Fördergelder vom Bund erhalten, wenn sie eine Erklärung zur freiheitlich demokratischen Grundordnung abgeben und sich verpflichten, potenzielle Partner auf Verfassungstreue zu überprüfen. Initiativen gegen rechts hatten vor allem gegen diese „Bespitzelungsklausel“ protestiert.

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan Kramer, bezeichnete die Klausel als „Versuch, Initiativen auf politische Linie zu bringen“.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mayzek, kritisierte, dass der „Misstrauensdiskurs“, mit dem Muslime seit Terrorwarnungen in Deutschland konfrontiert seien, nun auch zu einer „Haltung“ gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen geworden sei. Auch Juristen haben immer größere Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Klausel. Ein Gutachten, das der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags im Auftrag von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erstellt hat, hält die Erklärung für verfassungsrechtlich bedenklich.

In dem Gutachten, das dem Tagesspiegel vorliegt, schreiben die Wissenschaftler, dass der Staat keine Demokratieerklärung verlangen könne, da der hohe Wert der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsfreiheit dem entgegenstehe. Auch die geforderte Überprüfung von Projektpartnern sei fraglich. Sie könnte gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen. „Wer den Initiativen gegen Rechtsextremismus die Beweislast für die demokratische Gesinnung ihrer Mitbürger übertragen will, der sät eine Kultur des Misstrauens“, sagte Thierse. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Berliner Juraprofessor Ulrich Battis die Extremismuserklärung kritisiert. SPD und Grüne fordern in einem Bundestagsantrag den Verzicht auf die Erklärung. Der Antrag wird heute im Parlament debattiert. Das Familienministerium weist die Kritik zurück. Frank Jansen / Johannes Radke

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite