Koalition einigt sich auf Psychiatrie-Reform : Mobile Teams und mehr Personal

Union und SPD haben sich auf ein neues Entgeltsystem für psychiatrische Kliniken geeinigt. Statt der vorgesehenen Fallpauschalen soll es nun doch individuelle Budgets geben. Außerdem soll sich die Behandlung verbessern.

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Nicht ständig ins Krankenhaus. Psychisch Kranke sollen künftig durch mobile Behandlungsteams auch zuhause versorgt werden können.
Nicht ständig ins Krankenhaus. Psychisch Kranke sollen künftig durch mobile Behandlungsteams auch zuhause versorgt werden können.Foto: dpa

Nach dem heftigen Protest der SPD-Fraktion gegen die geplanten Fallpauschalen für psychiatrische Kliniken haben sich die Koalitionsexperten nun auf ein individuelleres Entgeltsystem geeinigt. Demnach werden bei der Vergütung künftig sowohl leistungsbezogene als auch strukturelle Besonderheiten berücksichtigt. Daneben soll es künftig die Möglichkeit geben, schwerkranke Patienten in akuten Fällen auch durch mobile Behandlungsteams zuhause zu versorgen. Und in den Kliniken soll sich die Personalausstattung durch Mindestvorgaben deutlich verbessern.

Nach skandinavischem Vorbild

Mit dem zusätzlichen Behandlungsangebot im häuslichen Umfeld werde „die Flexibilität und Bedarfsgerechtigkeit der Versorgung erhöht“, heißt es in den gemeinsamen Eckpunkten, die dem Tagesspiegel vorliegen. Für die Betroffenen führe die vorgesehene „Krankenhausbehandlung ohne Bett“ nach skandinavischem Vorbild ("Hometreatment") zu geringeren Einschnitten im Alltag. Gleichzeitig ließen sich dadurch stationäre Aufenthalte verkürzen oder ganz vermeiden.

Bei dem neuen Entgeltsystem, das ab 2017 verbindlich gelten soll, soll ebenfalls Qualität maßgeblich sein. Zwar werde sich das Budget der Häuser an der Grundlage eines „bundesweiten und empirisch kalkulierten Entgeltkatalogs“ orientieren, heißt es in dem Papier. Berücksichtigt würden dabei allerdings auch individuelle Qualitäts- und Kostenfaktoren, wie etwa regionale Versorgungsverpflichtungen, leitliniengerechte Behandlung oder vorhandenes Personal. "Die bislang vorgesehene Konvergenz zu landeseinheitlichen Preisen entfällt", lautet die Formulierung in den Eckpunkten. Stattdessen werde "die Verhandlungsebene vor Ort gestärkt".

SPD-Experte nennt Einigung einen Meilenstein

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach nannte die Einigung einen „Meilenstein für die Weiterentwicklung der Psychiatrie“. Der Beschluss vom April 2014 , das bereits vereinbarte Fallpauschalensystem nochmals zu prüfen, habe sich „voll gelohnt“, sagte Lauterbach dem Tagesspiegel. Gleichzeitig lobte er Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), der sich bei den Verhandlungen „sehr kooperativ“ verhalten habe.

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