Lindner widerspricht Rösler : FDP-Führungsduo spielt Stille Post

Christian Lindner sagt, in NRW sei er glücklich. Zu weiteren Plänen schweigt er – und beunruhigt in Berlin FDP-Chef Philipp Rösler.

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Die Gedanken sind frei. Christian Lindner, Spitzenkandidat und Liebling der FDP, beim außerordentlichen Parteitag am Sonntag. Foto: Tim Schulz/dapd
Die Gedanken sind frei. Christian Lindner, Spitzenkandidat und Liebling der FDP, beim außerordentlichen Parteitag am Sonntag....Foto: dapd

Manchmal, wenn ein Politiker ein Interview gibt, hat er als Adressaten seiner Worte den normalen Leser oder Zuhörer im Sinn. Oft gilt die Botschaft aber anderen – den lieben Parteifreunden zum Beispiel. Christian Lindner ist als frisch gekürter Spitzenkandidat der FDP für die NRW-Landtagswahl im Moment ein gefragter Mann. Am Montagfrüh hat er einen Wunsch parat, der eher nicht an die normalen Hörer des Deutschlandfunk gerichtet ist: „Die beste Hilfe für den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen wäre, wenn in Berlin kollegial partnerschaftlich Probleme gelöst würden.“

Adressaten dieses Satzes sind der Parteivorsitzende Philipp Rösler und dessen General Patrick Döring. Das Duo versucht seit längerem, das Profil der Freidemokraten durch Konflikt mit dem Koalitionspartner zu schärfen, eine Methode, die den Wahlkämpfern in Düsseldorf und Kiel seit längerem missfällt. Nicht aus Prinzip – auch Lindner und Wolfgang Kubicki können bei Bedarf austeilen. Aber erstens machen sie das dann lieber selber. Und zweitens eint beide die Sorge, dass die da in Berlin ihnen durch Ungeschick die Wahlkämpfe vermasseln.

Was den Unterschied konkret ausmacht, führt Lindner am Beispiel Schlecker vor. Als drei FDP-Landesminister eine Transfergesellschaft für die Verkäuferinnen der insolventen Drogeriekette blockierten, hatte Rösler das als ordnungspolitische Prinzipientreue gefeiert. Falsches Argument, lässt Lindner wissen: „Schlecker ist eine Frage, die man strikt aus der Perspektive der betroffenen 11 000 Mitarbeiterinnen diskutieren muss.“ Denen nütze es nichts, in einer Beschäftigungsgesellschaft geparkt zu werden, deshalb sei das Nein schon richtig gewesen. Nur: „Das kann kein Thema für Profilierung in der einen oder anderen Richtung sein.“ Erst recht nicht – aber das sagt er nicht dabei – in die Richtung des alten, kalten Marktwirtschaftsdenkens, dessen Vorherrschaft in der FDP abzulösen Lindner schließlich einmal angetreten war.

Ob Rösler die Botschaft hören will, ist ungewiss. Der Parteichef steht unter enormem Erfolgsdruck. Ein Freidemokrat bringt es auf die Formel: Wenn die FDP überleben will, müssen Kubicki und Lindner ihre Wahlen gewinnen; wenn Rösler überleben will, muss er sagen können, dass er dazu auch was beigetragen hat. Sonst müsste er damit rechnen, dass die Sieger ihn als überflüssig wegfegen. Lindner drückt sich auf die Frage nach Ambitionen in Berlin unscharf genug aus, um seinen Parteichef in dieser Sorge zu lassen: „Ich will Fraktionsvorsitzender im Landtag werden, und das mit aller Kraft“, sagt er im ZDF-„Morgenmagazin“.

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