• Martenstein zur CSU-Sprachpolitik: „Curry*wurst“, oder: Das Lied von der Dummheit der Menschen

Martenstein zur CSU-Sprachpolitik : „Curry*wurst“, oder: Das Lied von der Dummheit der Menschen

Ernährungsminister Christian Schmidt will Fleischnamen für Veggie-Produkte verbieten. Harald Martenstein findet das gaga - hat aber einen Vorschlag.

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Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) will Fleischnamen für Veggie-Produkte verbieten.
Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) will Fleischnamen für Veggie-Produkte verbieten.Foto: dpa

Der Bundesernährungsminister Christian Schmidt, ein tapferer Kämpfer für die Belange der Fleischindustrie, CSU, fordert neue Sprachverbote. Begriffe wie „vegetarische Wurst“ oder „vegane Currywurst“ sollten verboten werden. Diese Formulierungen würden Verbraucher irreführen. So ein Verbraucher weiß ja nicht, was „vegetarisch“ bedeutet, er liest „Wurst“ und denkt, das ist echte Wurst. Ja, lieber Christian Schmidt, gerade wir in Berlin können ein Lied von der Dummheit der Menschen singen.

Wir hatten im Zoo nämlich mal ein sehr beliebtes Nilpferd mit dem Namen „Bulette“. Ständig kletterten Besucher in das Gehege, bestrichen das bedauernswerte Tier mit Senf und versuchten, hineinzubeißen. Die Zoodirektion hat es dann umbenannt in „das Nilpferd, das früher Bulette hieß“, so was Ähnliches hat zeitweise auch der Sänger Prince gemacht. Sofort war Ruhe im Nilpferdgehege.

Ich finde es gut, dass endlich auch die CSU Sprachpolitik macht, nicht immer nur die Linke. Die Sprache bietet so viel Raum für Missverständnisse. Ich trage ja nicht so oft Anzüge. Aber wenn, dann binde ich mir schon auch meistens eine Krawatte um. Kürzlich habe ich stundenlang, wirklich stundenlang probiert, mir einen Windsorknoten zu binden – bis ich endlich merkte, dass ich einen Soßenbinder genommen hatte. Da hätte ich gern rechtzeitig den Minister Schmidt als Berater an meiner Seite gehabt. Wenn ich an die vielen Einladungen denke, an denen mir nichtsahnende Gastgeber Hundekuchen vorgesetzt haben, denkend, es handele sich um Kuchen!

Das sind natürlich Petitessen. Richtig gefährlich leben die Menschen mit so genannten „Wurstfingern“, die praktisch nur noch mit dicken ledernen Handschuhen aus dem Haus gehen können. Auch da hoffe ich auf ein klärendes Wort aus dem Ernährungsministerium. Vielleicht eine Broschüre, wenigstens das? Die Schokolinse ist keine Hülsenfrucht. Bierwurst unterliegt nicht dem Reinheitsgebot von 1516. Es ist gefährlich, als Nichtschwimmer beim Ententanz in einen tiefen See hineinzumarschieren, in dem Glauben, man sei eine Ente und könne schwimmen. Richtig eklig wird es natürlich, wenn gedankenlose Tierhalter die Hinterlassenschaft ihres Hundes als „Wurst“ bezeichnen. Wer auch nur ein einziges Mal auf diesen sprachlichen Fauxpas hereingefallen ist, der wünscht sich rückblickend, es sei wenigstens eine vegane Currywurst gewesen. Solche Hundehalter verdienen harte Strafen.

Die Berliner Lösung für dieses Problem besteht natürlich darin, mit dem Stern zu arbeiten. Soweit ich weiß, soll in Berlin laut Koalitionsvertrag künftig nur noch die Bezeichnung „Curry*wurst“ verwendet werden dürfen. Der Stern steht für die ganze Vielfalt von allem, was in einer Currywurst drin sein kann.

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