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Mossul : Auswärtiges Amt bestätigt zweite Deutsche in irakischer Haft

Im Irak sitzt eine zweite mutmaßliche IS-Anhängerin aus Deutschland in Haft. Den Mädchen könnte vor Ort der Prozess gemacht werden.

Männer der irakischen Anti-Terroreinheit halten eine umgedrehte IS-Fahne hoch.
Männer der irakischen Anti-Terroreinheit halten eine umgedrehte IS-Fahne hoch.Foto: Fadel Senna/ AFP

Unter den im irakischen Mossul festgenommenen mutmaßlichen IS-Anhängerinnen befindet sich neben der 16-jährigen Linda W. aus Sachsen mindestens eine weitere Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit. Dies bestätigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Die deutsche Botschaft im Irak habe in der vergangenen Woche die zwei Frauen in Bagdad besuchen können. Zwei weitere Frauen sollten den Angaben zufolge am Montag von der Botschaft besucht werden, um zu klären, ob sie ebenfalls Deutsche seien.

Die "Welt" berichtete aus Sicherheitskreisen, bei der Militäroperation Mitte Juli seien insgesamt vier deutsche Frauen zusammen mit anderen ausländischen Frauen von irakischen Soldaten festgenommen worden. Ihnen könnte im Irak der Prozess gemacht werden. Zunächst hatte es geheißen, fünf Frauen aus Deutschland seien in West-Mossul aufgegriffen worden. Laut "Welt" haben deutsche Sicherheitsbehörden aus dem Irak inzwischen eine Liste mit den Namen der deutschen Gefangenen erhalten.

Linda W. sagte in einem Interview von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung", sie werde kooperieren und bereue ihren Entschluss, sich den IS-Extremisten angeschlossen zu haben. Sie hoffe, dass sie bald nach Deutschland ausgeliefert werde. "Ich will nach Hause zu meiner Familie", sagte das Mädchen demnach in der Krankenstation einer Kaserne. "Ich will weg aus dem Krieg, weg von den vielen Waffen, dem Lärm." Dem Bericht zufolge ist sie leicht verletzt.

Derzeit keine Auslieferung möglich

Vor etwa einem Jahr sei sie über die Türkei und Syrien in den Irak gekommen. Dort habe sie sich der Extremisten-Miliz Islamischer Staat angeschlossen und in der IS-Hochburg Mossul gelebt, als Ehefrau eines Kämpfers, der schon bald nach ihrer Ankunft gestorben sei, wird sie in dem Bericht zitiert.

Linda W. war vergangenes Jahr verschwunden und von ihren Eltern vermisst gemeldet worden. Kurz vorher war sie zum Islam konvertiert. In Deutschland läuft bei der Dresdner Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen sie wegen des Verdachts der Aufnahme von Beziehungen zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Oberstaatsanwalt Lorenz Haase sagte, ihre Spur habe sich im vergangenen Jahr in Istanbul verloren, und es werde nun untersucht, wo sie in der Zwischenzeit gewesen sei und was sie gemacht habe. Ein Auslieferungsantrag könne nicht gestellt werden, da derzeit kein Haftbefehl gegen W. vorliege. Es besteht zudem kein Auslieferungsabkommen mit dem Irak, wie eine Sprecherin des Justizministerium sagte. Medienberichten zufolge bemüht sich aber der BND um eine Überstellung.

Nicht auszuschließen ist auch, dass der Generalbundesanwalt Ermittlungen aufnimmt. Würde sich etwa der Verdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ergeben, werde man dies dem GBA mitteilen, sagte Haase. Sollten sich Beweise gegen W. ergeben und sie nach Deutschland kommen, werde sie nach dem Jugendstrafrecht behandelt. Bei einer Verurteilung werde geschaut, was erzieherisch sinnvoll sei. Die Palette reiche von Arbeitsstunden über Arrest bis hin zu Jugendstrafen. (Reuters)

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