Mutmaßliche Anschlagspläne in Hessen : Anklage gegen Islamist Halil D. erhoben

Im Mai dieses Jahres flog ein mutmaßlich geplanter Bombenanschlag eines Islamisten-Pärchens auf. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Experten der Polizei stellen Spuren im Wohnhaus des Angeklagten sicher.
Experten der Polizei stellen Spuren im Wohnhaus des Angeklagten sicher.Foto: dpa

Ein halbes Jahr nach der Festnahme des mutmaßlich islamistischen Ehepaars Halil und Senay D. in Oberursel bei Frankfurt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Mann erhoben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 35-Jährige Halil D. aus dschihadistischen Motiven fest entschlossen war, einen Anschlag bei einer Großveranstaltung zu verüben.

Der Verdacht, dass der Mann dafür das Radrennen rund um Frankfurt am 1. Mai im Blick hatte, konnte aber nicht bestätigt werden, wie die Ermittlungsbehörde am Mittwoch in Frankfurt mitteilten. Dem Deutschtürken wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstoß gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie Urkundenfälschung vorgeworfen.

Die Polizei hatte damals beobachtet, dass Halil D. den Teil der Strecke erkundete, der durch Oberursel führt. Er soll seit längerem Kontakte in die radikal-islamistische Szene pflegen. Gegen seine Frau wurden die Ermittlungen eingestellt. Ihr habe eine Beteiligung nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden können. Das Ehepaar war Ende April festgenommen worden. Das traditionelle Radrennen wurde wegen der Terrorgefahr vorsorglich wenige Stunden vor dem Start abgesagt.

Ein imposantes Waffenlager im Keller

Bei einer damaligen Hausdurchsuchung fand die Polizei auf einem Computer des Paares Gewaltvideos mit "islamistisch-extremistischem Hintergrund". Zudem habe der Mann in Frankfurt Chemie studiert.

Im Keller des Wohnhauses von Halil und Senay D. entdeckte die Polizei eine funktionsfähige Rohrbombe, ein in Einzelteile zerlegtes Sturmgewehr G3, wahrscheinlich aus alten Bundeswehrbeständen, 100 Schuss Munition des Kalibers neun Millimeter und ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust. Das ist nicht alles: Dazu kamen drei Liter Wasserstoffperoxid, Azeton, Spiritus, und ein Kanister mit Diesel.

Das Wasserstoffperoxid hatte Halil D. Ende März in einem Baumarkt in Frankfurt gekauft, seine Frau und die zwei Kinder des Paares waren dabei. Mit der Chemikalie hätte das Paar eine weitere Bombe, mit hoher Explosivkraft, herstellen können.

"Das Zeug hätte für mehrere Anschläge gereicht", sagten Sicherheitsexperten damals. Halil D. soll Verbindungen zu Syrien-Rückkehrern und anderen sogenannten Gefährdern in der islamistischen Szene haben.

Klischee-Islamisten

Der mutmaßliche Anschlag wurde wohl von einer Verkäuferin des Baumarkts, in dem die Chemikalien gekauft wurden, verhindert. Als Senay D. sich nach der ungewöhnlich hohen Menge von drei Litern Wasserstoffperoxid erkundigte, verlangte die Mitarbeiterin aus Sicherheitsgründen die Personalien. Halil D. trug sich unter falschem Namen in eine Liste ein. Nach einem Ausweis fragte die Verkäuferin nicht, das Paar konnte die Chemikalie mitnehmen.

Die Verkäuferin hatte jedoch Zweifel, dass diese wie behauptet für die Reinigung eines Gartenteichs benötigt wurden. Außerdem habe das Paar ausgesehen, wie man sich klischeehaft Islamisten vorstellt: Halil D. mit Vollbart, seine Frau verschleiert.

"Da waren noch ein paar Leute im Hintergrund", vermuteten die Ermittler damals. Das Paar entspreche nicht dem Bild von typischen Einzeltätern. Es sei bekannt, dass Halil D. und seine Frau Kontakte zur Salafistenszene in Frankfurt und Umgebung unterhalten.

Halil D. stand in Kontakt zu einem der Mitglieder der im September 2007 aufgeflogenen "Sauerlandgruppe", dem Türken Adem Y. Er hatte zusammen mit zwei deutschen Konvertiten Anschläge auf US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant – mit Wasserstoffperoxid, das für Bomben aufbereitet werden sollte. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte Adem Y. im März 2010 zu elf Jahren Haft.

Geboren wurde der damals 35-jährige Halil D. in Bad Friedrichshall (Baden-Württemberg). Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft und entstammt einer türkischen Familie. Die ein Jahr jüngere Senay D. ist türkische Staatsbürgerin und kommt aus dem türkischen Igdir. Halil D. sitzt in U-Haft, seine Frau ist seit Anfang Juli wieder auf freiem Fuß. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann bis zu zehn Jahre Haft. (AFP/dpa/Tsp)

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