Nach der Explosionskatastrophe in China : Sohn des früheren Polizeichefs ist Mitbesitzer

Der Sohn des Ex-Chefs der Hafenpolizei hält 45 Prozent des explodierten Gefahrgutlagers im chinesischen Tianjin. Er hat dies verschleiert und seine Beziehungen dazu benutzt, Sicherheitsbestimmungen zu umgehen.

Eine Journalistin betrachtet das zerstörte Gelände in Tianjin.
Eine Journalistin betrachtet das zerstörte Gelände in Tianjin.Foto: imago/China Foto Press

Die Eigentümer des vor einer Woche explodierten Gefahrgutlagers in der chinesischen Hafenstadt Tianjin verschleierten offiziellen Angaben zufolge mithilfe von Freunden ihre Beteiligung an der Firma. 45 Prozent der Anteile an der Tianjin Rui Hai International halte der Sohn des früheren Chefs der Hafenpolizei, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Er setzte seine Beziehungen demnach gezielt ein, um Sicherheitsauflagen zu umgehen.

Bei der gewaltigen Explosionsserie in Tianjin waren am vergangenen Mittwoch mindestens 114 Menschen ums Leben gekommen und hunderte weitere verletzt worden. Weitere 57 Menschen wurden noch vermisst. Das Gefahrgutlager, in dem bis zu 700 Tonnen hochgiftigen Natriumzyanids aufbewahrt wurden, steht im Zentrum der Ermittlungen. Die Führung der Firma wurde verhaftet. Xinhua zitierte am Mittwoch ausgiebig aus Aussagen der Verdächtigen.

Dong Shoxuan, der Sohn des früheren Hafenpolizeichefs, räumte demnach die Verschleierungstaktik ein. "Wegen meines Vaters hielt ein Schuldfreund die Anteile für mich", sagte er. Wäre seine Investition publik geworden, "hätte dies negative Auswirkungen gehabt", zitierte Xinhua ihn weiter. Durch seine Beziehungen zu Polizei und Feuerwehr habe das Lager auch in kritischen Fällen Genehmigungen erhalten. "Wenn eine Brandschutzinspektion anstand, traf ich mich mit Behördenvertretern bei der Hafenfeuerwehr. Ich gab ihnen Dokumente und kurz darauf erhielten wir ein positives Gutachten", sagte Dong.

Neun Monate ohne Lizenz operiert

Bis zum Juni habe die Firma neun Monate ohne Lizenz operiert, schrieb Xinhua weiter. "Wir haben weitergemacht, weil wir dachten, das sei kein Problem", zitierte die Agentur Yu Xuewei. Der frühere Manager der staatlichen Chemiefirma Sinochem hielt demnach die übrigen 55 Prozent und parkte sie ebenfalls bei einem Freund. Sinochem betreibt Greenpeace zufolge zwei Gefahrgutlager in der Nähe des Explosionsortes. Beide liegen demnach ebenso wie das explodierte Lager näher an Wohnhäusern, als vom Gesetz erlaubt.

Das Gefahrgutlager von Rui Hai war Xinhua zufolge nur 650 Meter von Häusern und einem Bahnhof entfernt, obwohl 1000 Meter vorgeschrieben sind. Der Nachrichtenagentur zufolge besorgten sich Dong und seine Partner die Genehmigung von einer Firma, die davon nichts wusste. Wegen der verheerenden Explosion wurden auch Korruptionsermittlungen gegen den Leiter der chinesischen Arbeitsschutzbehörde, Yang Dongliang, eingeleitet.

Experten hatten schon vorher vermutet, dass die Behörden in Peking die Verantwortung für die Katastrophe auf örtliche Vertreter oder einzelne Missetäter lenken werden, um grundsätzlicherer Kritik an den Auswirkungen des Ein-Parteien-Staats zuvorzukommen. (AFP)

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