Neues Forschungsinstitut in Berlin : Mit russischen Mitteln

In Berlin hat das Forschungsinstitut "Dialog der Zivilisationen" seine Arbeit aufgenommen. Schlagzeilen machte bisher vor allem der Gründer und Finanzier Wladimir Jakunin. Ein Orstermin.

Wladimir Jakunin, früher Chef der russischen Staatsbahn, ist Gründer und Aufsichtsratschef eines neuen Instituts in Berlin.
Wladimir Jakunin, früher Chef der russischen Staatsbahn, ist Gründer und Aufsichtsratschef eines neuen Instituts in Berlin.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Die acht Wissenschaftler, die in einem Bürogebäude mit repräsentativer Adresse in Berlins Mitte am runden Tisch sitzen und über den Krieg in Syrien reden, kommen aus acht verschiedenen Ländern. Auf den ersten Blick ist es eine der vielen Konferenzen in Berlin, in denen es um internationale Politik geht. Doch die meisten Gesprächspartner sind selbst einem Fachpublikum in Deutschland kaum bekannt, und für den Gastgeber ist es die erste Veranstaltung dieser Art. Das im vergangenen Jahr in Berlin gegründete Forschungsinstitut „Dialog der Zivilisationen“ hat zu einer Konferenz geladen. Das neue Institut hat sich bei der Gründung ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Innerhalb von fünf Jahren soll es nach dem Willen der Gründer zu den 20 wichtigsten Denkfabriken weltweit gehören.

Doch das Institut machte zunächst nicht mit Forschung Schlagzeilen, sondern mit seinem Gründer und Aufsichtsratschef Wladimir Jakunin. Der ehemalige Chef der russischen Staatsbahn, der als langjähriger Weggefährte von Russlands Präsident Wladimir Putin gilt, hat bereits vor mehr als zehn Jahren das „Weltforum Dialog der Zivilisationen“ in Wien aufgebaut. Ihm und seinen Mitstreitern war offensichtlich daran gelegen, ein vielstimmiges Gegenmodell zum alten „Westen“ zu entwerfen. Aus dem Weltforum in Wien ging 2016 das neue Institut hervor. Die Aufregung in Deutschland war groß, Putin lasse eine Denkfabrik in Berlin gründen, hieß es.

Geld kommt von Jakunins Stiftung in der Schweiz

Staatliche Mittel erhält das Institut nach eigenen Angaben nicht. Bei der Gründungsveranstaltung im vergangenen Sommer sagte Jakunin, das Institut werde sich über Spenden finanzieren, „von meiner Familie und anderen“. Abgewickelt wird die Finanzierung über eine von Jakunin gegründete Stiftung in der Schweiz. Das Institut ist in Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Als alleiniger Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH „Dialogue of Civilizations Research Institute“ in Berlin firmiert ein Schweizer Fondsmanager, der für zwei von Jakunin gegründete Stiftungen in Genf tätig ist. Präsidentin beider Stiftungen ist Jakunins Ehefrau Natalia. Woher das Stiftungskapital stammt, ist nicht bekannt, Jakunin soll in seiner Zeit als russischer Bahnchef zu großem Reichtum gekommen sein.

Die Gründung seines Forschungsinstituts feierte Jakunin im vergangenen Sommer schon, bevor die Wissenschaftler geeignete Räumlichkeiten in Berlin bezogen hatten und vor allem bevor ein Leiter gefunden war. Dem Vernehmen nach sollen mehrere deutsche Wissenschaftler abgewunken haben, als ihnen Posten in der Neugründung angeboten wurden. Doch Anfang Februar hat der zuvor in Indien tätige Pooran Pandey offiziell die Leitung übernommen. „Wir haben unser Hauptquartier in Berlin, wollen aber global wachsen“, sagte er am Dienstag. Das Institut will dafür weltweit Partner finden. Die zweitägige Syrienkonferenz sieht er als ersten Schritt.

"Wir sprechen nur als Experten"

Auch ein Teilnehmer aus Saudi-Arabien, Khalid Abalhassan vom Zentrum für arabisch-russische Studien in Riad, lobt, solche Treffen förderten ein besseres Verständnis der Positionen in anderen Ländern. Saudi-Arabien werde im Syrien-Konflikt als politischer Akteur wahrgenommen, aber nicht als Land, das auch Flüchtlinge aufnimmt. Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an dieser Runde scheint allerdings gering, bei der Pressekonferenz sind deutlich mehr Wissenschaftler als Journalisten anwesend.

Mit am Tisch sitzt auch der neue Forschungsdirektor Alexej Malaschenko, der zuvor bei Carnegie in Moskau tätig war. Es habe in der Runde durchaus Meinungsverschiedenheiten gegeben. „Aber wir haben keine politischen Ambitionen, wir haben als Experten gesprochen, nur in unserem eigenen Namen.“ Auf die Frage, ob die Experten auch Empfehlungen an die Politik abgeben wollten, lacht Malaschenko kurz und sagt: „In Moskau haben wir so viele Empfehlungen gemacht, gegenüber Breschnew, gegenüber Gorbatschow. Und es führte zu nichts.“

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