Nord-Süd-Dialog : Auch Oettingers Staatsministerium warb Sponsoren

Hinter der umstrittenen Werbeveranstaltung „Nord-Süd- Dialog“ stand neben Wulff ein zweiter Schirmherr: der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU), jetzt EU-Energiekommissar in Brüssel.

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Auch Günther Oettingers Staatsministerium hat sich zwischen 2007 und 2009 an der Anwerbung von Sponsoren für die Privatveranstaltungen des Eventmanagers Manfred Schmidt beteiligt. Allerdings „nur sehr zurückhaltend“, wie ein Regierungssprecher am Freitag sagte. Aus den Unterlagen, die die Beamten des heutigen Regierungschefs Winfried Kretschmann (Grüne) gefunden haben, gehe hervor, dass Mitarbeiter des Staatsministeriums seinerzeit durch Telefonate mit Unternehmern über die Veranstaltung informiert und Kontaktaufnahme durch den Veranstalter Schmidt „avisiert“ hätten. Weiter sind Oettingers Mitarbeiter offenbar nicht gegangen. Weder Werbebriefe noch Empfehlungen für den „Nord-Süd-Dialog“ habe man gefunden.

Auch über Anrufe oder Briefe des Ministerpräsidenten Oettinger selbst weiß man nichts. Dafür fand man aber einen wenig schmeichelhaften Vermerk über eine Beschwerde des Veranstalters Schmidt. Nach dem letzten „Dialog“ soll sich der Freund von Wulffs Berater Glaeseker, Schmidt also, „sehr negativ“ über die fehlende Unterstützung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten geäußert haben. Offenbar zeigten sich die Baden-Württemberger Unternehmer wesentlich knauseriger mit Sponsorgeldern für die Events, als Schmidt das aus Niedersachsen gewohnt war. Lediglich von der Stuttgarter Landesbank LBBW weiß man, dass sie sich an den Promi-Treffs, die dreimal stattfanden – 2007 und 2009 in Hannover, 2008 in Stuttgart – beteiligt hat.

Offiziell dienten die Dialog- Treffs der Präsentation der Wirtschaftsstandorte Niedersachsen und Baden-Württemberg. Unternehmer beider Länder und Gäste sollten Kontakte knüpfen. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) gestand am Freitag ein, dass Wulffs früherer Sprecher Glaeseker 44 Studierende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als Helfer für den „Dialog“ anwarb, die Bezahlung der Rechnung über 5245 Euro aber anschließend der Hochschule überließ. Die „Hannoversche Algemeine Zeitung“ berichtete zudem, das Landwirtschaftsministerium habe 3411 Euro für Kochbücher bezahlt, die den Besuchern des Festes geschenkt worden seien.

Auch Günther Oettingers Landesregierung hat der „Nord-Süd-Dialog“ etwas gekostet, nämlich 3600 Euro. Als regionale Präsente für die prominenten Gäste brachte Oettinger Wein aus den Staatsgütern und Ritter-Sport-Schokolade mit nach Hannover.

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