NRW-CDU : Demonstrative Union

Vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, die zeitgleich mit der Europawahl stattfindet, legen Armin Laschet und Karl Josef Laumann alte Konflikte bei.

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NRW-CDU-Politiker (von rechts) Armin Laschet, Karl Josef Laumann und Peter Hintze Foto: dpa
NRW-CDU-Politiker (von rechts) Armin Laschet, Karl Josef Laumann und Peter HintzeFoto: dpa

Karl Josef Laumann hatte diese Geste wohl kalkuliert. Noch während der Tagungspräsident das Wiederwahlergebnis für Armin Laschet verkündete, spurtete der wuchtige Münsterländer in die erste Reihe auf dem Podium und gratulierte dem alten und neuen Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen CDU – keiner Kamera entging dieser Handschlag.

Als Laumann wenig später mit der höchsten an diesem Tag vergebenen Stimmenzahl zum Stellvertreter von Laschet bestimmt wurde, lief das Spiel genau anders herum; auch Laschet eilte demonstrativ zu dem Mann, der ihm den Weg an die Spitze des größten Landesverbandes erst durch seinen Wechsel nach Berlin vollständig frei gemacht hatte. „Die Sache ist anständig geklärt worden“, erklärte Laumann wenig später Reportern und blickte dabei so treu, dass man kaum darauf kommen konnte, wie viel Mühe es gekostet hat, diesen personellen Konflikt in der nordrhein-westfälischen CDU zu entschärfen.

Erst der Kanzlerin gelang es im Zuge der Berliner Regierungsbildung, Laschet und Laumann räumlich zu trennen und damit die Führungsfrage in Düsseldorf endgültig zu klären. Laschet hatte es im zweiten Anlauf nach der katastrophalen Niederlage von Norbert Röttgen gegen Hannelore Kraft zwar geschafft, 2012 Landesvorsitzender der Partei zu werden. Laumann beharrte aber darauf, die Landtagsfraktion zu führen und scharte so viele Truppen um sich, dass sich Laschet dort mit der Rolle des Stellvertreters zufrieden geben musste.

Bei jeder wichtigen Debatte im Landtag konzentrierte sich die Führung der Union so sehr auf die Frage, wer der Regierung antworten durfte, dass damit ein nicht unerheblicher Teil ihrer Kraft schon vor jeder Auseinandersetzung verpufft war. Erst als Merkel den Münsterländer Laumann davon überzeugte, seine politischen Zelte in Berlin als Patientenvertreter aufzuschlagen, gab er den Fraktionsvorsitz auf und machte den Weg frei für Laschet als Hauptgegenspieler von Hannelore Kraft. Dass Laumann anschließend darauf pochte, als Stellvertreter von Laschet an die Parteispitze gewählt zu werden, darf man getrost als Hinweis darauf verstehen, dass er den Aachener nicht unbeaufsichtigt lassen möchte.

Da sich die NRW-CDU aber im Wahlkampfmodus befindet und der Düsseldorfer Parteitag die lieben Parteifreunde auf den zeitgleich am 25. Mai stattfindenden Urnengang zur Europawahl und Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen einstimmen sollte, waren die einstigen Kontrahenten bemüht, jede Dissonanz zu vermeiden. Dass Laschet 72 Gegenstimmen verkraften musste und außerdem noch deutlich weniger Zustimmung als Laumann erfuhr, spielte offiziell keine Rolle. Beide intonierten die neue Melodie der Landes-CDU, die da lautet: „Die CDU ist zurück.“ Für beide Wahlen gaben sie als Ziel aus, zur stärksten Partei an Rhein und Ruhr zu werden, was sowohl bei Kommunal- als auch bei Europawahlen immer der Fall war.

Laschet versuchte, interne Kritik an seinem zuweilen unklaren politischen Profil durch heftige Attacken auf die Ministerpräsidentin zu widerlegen. „Es muss Schluss sein mit der Konsenssoße“, attackierte er Regierungschefin Hannelore Kraft. Dass dies in der Regierungspraxis der großen Koalition nicht in allen Sachfragen durchzuhalten sein wird, interessierte an diesem Tag der demonstrativen Einigkeit nur wenige.

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