NSU-Prozess in München : Vierter Pflichtverteidiger für Beate Zschäpe

Beate Zschäpe bekommt einen vierten Pflichtverteidiger. Der Münchner Anwalt Mathias Grasel wird die Hauptangeklagte im NSU-Prozess ab sofort vertreten.

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Der Münchner Rechtsanwalt Mathias Grasel
Der Münchner Rechtsanwalt Mathias GraselFoto: dpa

Im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München wird Beate Zschäpe nach Informationen des Tagesspiegels von diesem Dienstag auch von dem Münchner Anwalt Mathias Grasel vertreten. Der Vorsitzende des 6. Strafsenats, Manfred Götzl, habe Grasel der Hauptangeklagten jetzt als vierten Pflichtverteidiger beigeordnet, teilte die Kanzlei des Anwalts am Montag mit. Einen Grund nannte die Kanzlei nicht. Zschäpe hat bereits drei Verteidiger, liegt aber mit ihnen im Streit. Im Juni hatte die Angeklagte bei Götzl die "Entbindung" von Anwältin Anja Sturm beantragt. Substanzielle Gründe nannte Zschäpe allerdings nicht. Dennoch verschärfte sich der Konflikt weiter, in einem Schriftsatz äußerte Zschäpe auch Kritik an ihren Verteidigern Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl. Richter Götzl lehnte jedoch die Forderung ab, Sturm aus dem Verfahren zu nehmen. Außerdem hat Götzl vergangene Woche einen schriftlichen Antrag Zschäpes abgewiesen, die Vernehmung von Zeugen auszusetzen, bis Grasel als Verteidiger beigeordnet sei. 

Die Fassade des Schweigens bröckelt

Grasel, Anfang 30, ist erst seit 2013 Fachanwalt für Strafrecht. Nennenswerte Auftritte in Prozessen sind nicht bekannt. Außerdem muss Grasel nun das Geschehen des mehr als zwei Jahre dauernden NSU-Prozesses aufarbeiten. Richter Götzl hat ihn offenbar dennoch berufen, um den Streit zwischen Zschäpe und Sturm, Heer und Stahl zu dämpfen und damit den Fortgang des Prozesses sicherzustellen. Zschäpe, die seit November 2011 in Untersuchungshaft sitzt und vom langen Verfahren zermürbt zu sein scheint, war in den vergangenen Monaten mehrmals krank. Dem Münchner Psychiater Norbert Nedopil sagte sie, die Fassade des Schweigens bröckele. Zschäpe hat sich bislang nicht zu den fast 14 Jahren geäußert, die sie mit den NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund verbrachte. Mundlos und Böhnhardt ermordeten zehn Menschen, verübten mindestens zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe vor, bei allen Verbrechen des NSU die Mittäterin gewesen zu sein.
Es bleibt offen, ob die Angeklagte mit Grasel an ihrer Seite nun doch noch redet. In einem Schreiben an Götzl hatte Zschäpe angekündigt, durchaus etwas sagen zu wollen. Sie hielt das allerdings nicht in Zusammenarbeit mit den Verteidigern Sturm, Heer und Stahl für möglich.


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