"Pegida" : Stanislaw Tillich ruft Sachsen zu Weltoffenheit auf

Vor der neuen Demonstration der islamfeindlichen Bewegung "Pegida" am Montag in Dresden hat der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) vor einer Mauer in den Köpfen gewarnt. Inzwischen gibt es ein breites Bündnis gegen "Pegida"

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"Pegida": Jeden Montag demonstrieren Tausende Islamgegner in Dresden.
"Pegida": Jeden Montag demonstrieren Tausende Islamgegner in Dresden.Foto: AFP

Gegen die Parolen der "Pegida"- Bewegung formiert sich zunehmend politischer und bürgerlicher Widerspruch. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) rief die Bürger seines Landes am Sonntag zu Weltoffenheit auf. Den Menschen in Sachsen stehe die Welt seit dem Fall der Mauer offen, sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Genauso müsse die Welt in Sachsen willkommen sein, "ohne Mauer in den Köpfen und mit Neugier, wie wir Bereicherung erfahren können". Kirchen, Bürgergruppen und ehemalige DDR-Bürgerrechtler riefen zu Widerstand gegen die Proteste auf.

Debattiert wird auch darüber, ob sich der massive Zulauf zu "Pegida" gerade in Dresden aus der besonderen Situation in Ostdeutschland erklären lässt. Der Bielefelder Sozialforscher Andreas Zick sagte, Menschen in der Ex-DDR lenkten ihre Abstiegsängste in "Überfremdungsangst" um, weil viele nach der Wende tatsächlich etwas verloren hätten. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) warnte dagegen vor einer "Instrumentalisierung der Geschichte".

Aufrufe in anderen Städten waren nicht erfolgreich

Die "Pegida"-Organisatoren haben für Montagabend erneut zu einer Massenkundgebungen in Dresden aufgerufen. Zuletzt hatten sich dort rund 15 000 Menschen gegen eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands versammelt. Aufrufe zu ähnlichen Aufzügen in anderen Städten blieben bisher eher erfolglos. In Dresden forderte ein breites Bündnis von Politikern und Einzelpersonen dazu auf, die Stadt nicht "Pegida" zu überlassen. Dort finden inzwischen regelmäßig auch Gegenkundgebungen mit zuletzt etwa 6000 Teilnehmern statt. Die ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Reinhard Schult, Bernd Gehrke und Thomas Klein starteten eine Unterschriftenaktion "der Bürgerrechtler aus der DDR".

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) warf den "Pegida"-Organisatoren vor, sie verweigerten den Dialog mit der Politik aus Angst davor, bei einer ernsthaften Diskussion schnell ins Hintertreffen zu geraten. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nannte die Hintermänner "geistige Brandstifter". Kirchenvertreter und Flüchtlingsorganisationen werteten die Parolen gegen Flüchtlinge als Verhöhnung des christlichen Glaubens. ProAsyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte, die christliche Weihnachtsgeschichte sei "die Fluchtgeschichte schlechthin".

Jüdische und islamische Spitzenverbände warnten ebenfalls vor den Demonstrationen. Zugleich herrschte auch unter ihnen ein breiter Konsens darüber, dass man die Sorgen vieler Mitläufer ernst nehmen und einen Dialog suchen müsse. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte, viele "Pegida"-Anhänger hätten Angst vor Armut und Arbeitslosigkeit. Um diese Sorgen müsse sich die Politik kümmern.

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