Politik : Radioaktiver Abfall im Bergwerk Asse?

Wolfenbüttel/Jülich - Im niedersächsischen Atommülllager Asse lagern offenbar auch rund 100 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich. Aus Dokumenten geht hervor, dass die aus Graphit bestehenden bestrahlten Kugeln zwischen 1973 und 1976 in das Bergwerk Asse gebracht wurden. Der Betreiber des Atommülllagers bestätigte zwar die Lieferung, dementierte jedoch, dass es sich um dabei um hoch radioaktive Abfälle handelt. Der Sprecher des Helmholtz-Zentrums München, das das Atommülllager betreibt, Heinz-Jörg Haury, sagte, dass in früheren Jahren bestrahlte Graphitkugeln aus einem Versuchsreaktor in Jülich in die Asse gebracht worden seien. „Dabei handelte es sich jedoch um mittel radioaktive Abfälle“, sagte Haury.

Die zwischen 1973 und 1976 aus Jülich angelieferten kugelförmigen Brennelemente seien im Wesentlichen zur Materialprüfung verwendet worden und strahlten deshalb nicht stark, erklärte Haury. Seines Wissens habe es sich um insgesamt acht Fässer mit Graphitkugeln gehandelt. Dokumente belegen aber, dass in dem fraglichen Zeitraum mindestens 94 Fässer mit Graphitkugeln aus Jülich in die Asse gebracht wurden. Die Linke im niedersächsischen Landtag sprach sogar von „mehr als 300 Fässern mit hoch radioaktivem Atommüll“. Der Chemieprofessor Rolf Bertram bezeichnete den Atommüll aus Jülich als „eindeutig hoch radioaktiv“. Zudem befinde sich in der Asse rund ein Kilogramm des hoch radioaktiven Stoffes Americium-241. „Americium ist ein Zerfallsprodukt von Plutonium und der stärkste Alpha-Strahler, den es überhaupt gibt“, sagte Bertram. ddp

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