Renate Künast : "Wowereit hat beim Flughafen nicht mit offenen Karten gespielt"

07.10.2012 09:34 Uhr
Renate Künast verlor 2011 das Rennen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters - und dann flogen die Grünen auch noch aus der Koaliton. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Renate Künast verlor 2011 das Rennen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters - und dann flogen die Grünen auch noch aus der Koaliton. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Renate Künast über die Stärken von Peer Steinbrück, ihre Chancen bei der Urwahl der grünen Spitzenkandidaten - und das Ende der Regierung von Klaus Wowereit, das ihrer Meinung nach vorzeitig kommt.

Frau Künast, müssen Sie kämpfen?

Schönes Verb! Ich bewerbe mich bei der Urwahl und sage einfach, was ich für nötig halte.

Da gibt es allerdings starke Konkurrenz. Macht Ihnen zu schaffen, dass die Basis so unberechenbar ist?

Unberechenbar trifft es nicht. Es gibt schlicht keine Umfragen unter den 59 300 Grünen-Mitgliedern zu den 15 Kandidaten. Das Ergebnis werden wir am 10. November kennen. Bis dahin machen wir elf Kandidatenforen und stellen uns vor.

Ist das nicht ermüdend?

Nein.

Zwar kennen wir langsam schon die Redepassagen der anderen. Aber es ist ein gutes Format und jede Veranstaltung ist anders. Wichtig ist, dass die Urwahl insgesamt gut angenommen wird. Das basisdemokratische Angebot mobilisiert sogar Mitglieder, die lange bei keiner Parteiveranstaltung mehr waren. Im kommenden Juni bieten wir noch eine weitere Abstimmung für alle Mitglieder an: über die zehn Schwerpunkte unseres grünen Wahlprogramms. Das zeigt doch: Die Piraten reden nur darüber, wir machen es.

Womit wollen Sie die Basis überzeugen?

Ich habe zwei Schwerpunkte. Der eine liegt darin, dass wir als wertegeleitete Partei dem Gedanken folgen: Erhalten, was uns erhält. Wir dürfen unsere Lebensgrundlagen nicht aufbrauchen – das heißt, wir brauchen eine echte Energiewende, mehr Klimaschutz oder etwa eine ökologisch gute Produktion von Lebensmitteln.

Und der zweite Vorschlag?

Kinder in den Mittelpunkt stellen. Da geht es um mehr Gerechtigkeit. Wir hängen nicht – wie die Union – den alten Gesellschaftsmodellen der 50er Jahre an, wir rücken die Infrastruktur für Betreuung und Bildung in den Mittelpunkt unserer Politik. Und zur Finanzierung brauchen wir eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes; die starken Schultern sollen mitfinanzieren.

Die führenden Realpolitiker haben dieses Mal nicht zu Ihrer Wahl als Spitzenkandidatin aufgerufen – schadet Ihnen das?

Ich fühle mich sehr gut unterstützt, auch von führenden Grünen, und auch von grünen Reformerinnen und Reformern. In der Urabstimmung geht es allerdings darum, die gesamte Grüne Partei im Wahlkampf 2013 zu vertreten, nicht einen Flügel.

Nach der Berlin-Wahl wurden Sie intern kritisiert und gestanden später Fehler ein. Was haben Sie dazugelernt?

Eine meiner Lehren aus dieser Zeit ist sehr simpel: Sei einfach so, wie du bist!

Wo waren Sie das nicht?

Es gab etwa Plakate, die mir Eigenschaften eines Regierenden Bürgermeisters zuschreiben sollten, die vielleicht traditionell erwartet werden. Das hat nicht funktioniert.

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