Politik : Russland plant Sondereinheit für Ausland Vorhaben ist auch Teil eines Machtkampfs

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Moskau - Moskau, sagte der russische Außenminister Sergei Lawrow der Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“, werde für die Sicherheit seiner Bürger in Krisengebieten sorgen. Aktueller Anlass für die Äußerung: Mehrere tausend Russen leben trotz des über 20 Monate währenden Bürgerkriegs nach wie vor in Syrien. Der Schutz russischer Bürger bei Konflikten im Ausland, einschließlich der Befreiung von Geiseln, gehört neben der Terrorismusbekämpfung zu den Aufgaben von Sondereinheiten für Auslandseinsätze, wie sie der russische Generalstab plant. Die Spezialkommandos sollen auch bei einem „großen Krieg“ zum Einsatz kommen und mit Operationen tief im Hinterland des Gegners betraut werden, schreibt die regierungsnahe Zeitung „Iswestija“. So sollen Startrampen für Raketen und die Rüstungsindustrie zerstört sowie die politische und militärische Führung des Gegners ausgeschaltet werden. Die Sondereinheiten sollen dem Präsidenten direkt unterstellt werden.

Ein detailliertes Konzept wollen die Generalstäbler Verteidigungsminister Sergei Schoygu in Kürze vorlegen. Es ist bereits der zweite Anlauf: Im Oktober hatte Schoygus Vorgänger Anatoli Serdjukow das Vorhaben als „unzweckmäßig“ abgelehnt. Kurz darauf trat er zurück und begründete dies mit einer Korruptionsaffäre in seinem Ressort. Beobachter dagegen sehen in ihm das erste Opfer einer neuen Runde des Machtkampfs in der Umgebung von Präsident Wladimir Putin, losgetreten durch Gesundheitsprobleme des Kremlchefs.

Schoygu, dem Putin vertraut, fällt dabei eine Schlüsselrolle zu. Er gilt als Frontmann jenes antiwestlichen Flügels, den der Politikwissenschaftler Michail Winogradow als „Ostgruppe“ bezeichnet. Diese will die strategische Partnerschaft mit China zu einem Bündnis ausbauen. Und damit auch die „Westgruppe“ – die Liberalen, zu denen neben Ex-Präsident Dmitri Medwedew auch der geschasste Serdjukow gehörte – ausbremsen. Nicht Medwedew, Schoygu, glauben viele Forscher schon jetzt, sei der Mann, der Putin einst beerben werde. Elke Windisch

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