Schwuler Kurien-Funktionär : So nicht

Der Vatikan-Funktionär Krzysztof Charamsa outet sich als schwul – auf unkluge Weise und zu einem unklugen Zeitpunkt. Ein Kommentar

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Sind ein Paar. Priester Krzysztof Charamsa und sein Lebensgefährte nach einem Pressetermin in Rom.
Sind ein Paar. Priester Krzysztof Charamsa und sein Lebensgefährte nach einem Pressetermin in Rom.Foto: dpa

Das kam gar nicht gut. Der polnische Kurienpriester, der sich am Wochenende in Rom spektakulär als schwul outete, hat seiner eigenen Sache geschadet – und zahlreichen anderen Homosexuellen auch, Geistlichen wie Laien.

Etliche Grundregeln hat Monsignore Krzysztof Charamsa missachtet. Den Zölibat als Erstes. Ein Priester, der einen Menschen als Lebenspartner präsentiert – egal welchen Geschlechts –, hält sich offenbar schon seit gewisser Zeit nicht an die Berufsvorschriften. Man darf diese als antiquiert betrachten, aber sie gelten, und die Folgen sind für beide Seiten unausweichlich. Charamsas Versteckspiel war umso unredlicher, als es in der Glaubenskongregation stattfand, in einer Kurienbehörde, die mit Leben und Werk anderer Katholiken sehr hart und unnachsichtig umgeht.

Franziskus hat kritisch von der „Schwulenlobby, auch im Vatikan“ gesprochen

Vor allem aber hatte es Charamsa auf größtmöglichen öffentlichen Wirbel angelegt. Er hatte eigens Fernsehteams zusammengerufen, um auszupacken. Gilt schon das in der katholischen Kirche als schwerer Verstoß gegen die Etikette, so folgte das Coming-out des Monsignore auch nicht (nur) einem womöglich nicht länger abweisbaren Gewissensdrang.

Charamsa hat exakt berechnend den Beginn der Synode abgewartet, bei der seit diesem Sonntag knapp 300 Bischöfe aus aller Welt über eine mögliche Neuausrichtung der katholischen Ehe- und Sexualmoral diskutieren. Und diese – wenn sie nicht einfach nur den Kopf schüttelten – sehen sich nun gerade in einem ihrer heikelsten Debattenpunkte vor den Kopf gestoßen.

Vor allem Papst Franziskus, der durchaus seine Öffnungen im Sinn hat, kann Instrumentalisierungen gar nicht leiden. Schon früh in seiner Amtszeit hat Franziskus sehr kritisch von der „Schwulenlobby, auch im Vatikan“ gesprochen. Scharf ließ er auch Berichte der anderen Seite zurückweisen, bei einer persönlichen Begegnung in den USA habe er kürzlich die Standesbeamtin Kim Davis bestärkt, die keine gleichgeschlechtlichen Ehen schließen will. Carlo Maria Viganò, Apostolischer Nuntius in Washington und erklärter Gegner der Eheöffnung, hatte die Frau in ein größeres Treffen gemogelt, und Franziskus hat ihr eben mit ein paar warmen Worten die Hand geschüttelt wie Dutzenden anderen auch – jenem schwulen Paar nicht zuletzt, das beim selben Empfang zugegen war. Bei seinen Messen teilt Franziskus auch die Kommunion nicht aus: Er will verhindern, dass sich irgendwelche größeren oder kleineren Schurken mit einem Foto „Ich und der Papst“ reinwaschen.

Bei der ersten Runde der Bischofssynode vor einem Jahr gab es im Vatikan nie zuvor gehörte, anerkennende Worte für Homosexuelle und sogar für deren Partnerschaften. Im Schlussdokument hat diese radikale Wende zwar nicht überlebt, aber ein Anfang war gemacht, und dieses Jahr hätte er ausgebaut werden können. Jetzt aber sagen sich gerade die Unsicheren unter den Bischöfen: So nicht. Charamsa, der die innerkirchlichen Mechanismen kennt, hätte das wissen müssen.

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