SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz : Schulz & Merkel sind wie Raider & Twix

Seit Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD ist, können die Deutschen für Angela Merkel stimmen, ohne für Angela Merkel stimmen zu müssen. Das macht ihn so beliebt. Eine Glosse.

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Merkel und Schulz - zwei vom selben Schlag
Merkel und Schulz - zwei vom selben SchlagFoto: Gregor Fischer, dpa

Es war einmal ein beliebter Schokoriegel. Der hieß Raider. Doch dann, im Jahre 1991, wurde verkündet: „Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix!“ Mir nix, dir nix wurde das Ding einfach umbenannt. Die Aufregung war groß. Aber weil sich, bis auf den Namen, wirklich nichts änderte, ebbte sie auch schnell wieder ab. Nun kauft jeder, der einst den Raider-Riegel mochte, den Twix-Riegel.

 

Seit Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD ist, können die Deutschen für Angela Merkel stimmen, ohne für Angela Merkel stimmen zu müssen. Vor allem das erklärt den Höhenflug der Partei. Wie eine Rakete geht der Trend nach oben. Denn der Unterschied zwischen Schulz und Merkel ist ungefähr so groß, wie es der zwischen Raider und Twix war. Schulz will mehr „Gerechtigkeit“, sich um die „Alltagssorgen“ der „hart arbeitenden Menschen“ kümmern. Aber das will Merkel natürlich auch. Und Sigmar Gabriel, der SPD-Chef vor Schulz, wollte es auch. Ob Europa-, Steuer- oder Familienpolitik, Rentensystem oder Bildung: Markante Differenzen zwischen Schulz und Merkel zu erkennen, dürfte selbst Schulz-Verehrern schwerfallen.

 

Mit Verweis auf besondere Inhalte lässt sich das derzeitige Umfrage-Jojo von SPD und Union also nicht erklären. Als Erklärungsansatz untauglich ist ebenfalls eine besondere Kompetenz der Sozialdemokraten bei Themen, die den Menschen wichtig sind. In Berlin und Nordrhein-Westfalen regiert die SPD seit Urzeiten. Sieht man sich in diesen Ländern die Armutsstatistik, Hartz-IV-Quote, Mietentwicklung oder ähnliche Merkmale einer sozial gerechten Politik an, ist die Vorstellung kühn bis tollkühn, daraus ein plötzliches Plus für die Genossen ableiten zu wollen.

In der Wechselstimmung drückt sich Merkel-Müdigkeit aus

Nein, es ist die Nähe, die Verwechselbarkeit von Merkel und Schulz, die dessen rasant steigende Popularität erklärt. Die Deutschen wollen im Prinzip ja keine andere Politik, sondern allenfalls ein anderes Gesicht an der Spitze der Regierung. In der Wechselstimmung, wenn es denn eine gibt, drückt sich Merkel-Müdigkeit aus. Raider soll Twix heißen, aber genauso schmecken wie früher.

 

Schulz und Merkel: beide Pro-Europa, gerne staatstragend, wenig charismatisch, dafür kenntnisreich, rhetorisch solide mit der Tendenz zur Redundanz, oft ausweichend im Detail, politisch flexibel. Sollte es Schulz weiterhin gelingen, gewissermaßen als perfekte Merkel-Kopie zu agieren, könnte die Umbenennung Erfolg haben. Raider heißt jetzt Schulz.

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