Streit unter deutschen Christen : Evangelikale gegen christliche "Islamversteher"

Wer sich Muslimen anbiedere, verrate den eigenen Glauben, sagen deutsche Evangelikale. Sie kritisieren das Engagement führender Vertreter der evangelischen Kirche für deren Kooperation mit Muslimen in München.

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Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wer als Christ mit Muslimen kooperieren will, muss mittlerweile mit einem Shitstorm aus der eigenen Kirche rechnen. Diese Erfahrung macht gerade Heinrich Bedford-Strohm, der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bedford-Strohm hat sich bereit erklärt, im Kuratorium des geplanten „Münchner Forums für Islam“ (MFI) mitzuwirken, und wird dafür von evangelikalen Christen aus ganz Deutschland heftig kritisiert und diffamiert. Ranghohe evangelikale Geistliche weisen auf die „Unvereinbarkeit von Islam und Christentum“ hin und werfen Bedford-Strohm vor, sich den Muslimen „anzubiedern“ und den eigenen Glauben zu verraten.

So bezeichnete etwa der Hamburger Pastor Ulrich Rüß, der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, die Mitwirkung des Landesbischofs als „Zumutung und nicht hinnehmbar“. Er lasse sich als „Islamversteher“ von Muslimen instrumentalisieren und verstoße gegen das erste Gebot („Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“). Das Bischofsamt sei „beschädigt und diskreditiert“. Rüß forderte, die bayerische Landessynode und der Rat der EKD müssten sich von ihm distanzieren.

Der Leiter des Arbeitskreises Islam der Deutschen Evangelischen Allianz sieht in Bedford-Strohms Haltung einen Verrat am christlichen Missionsgedanken. „Die Überzeugung, dass auch Muslime die gute Nachricht brauchen, dass Gott sich in Jesus Christus den Menschen zugewandt hat, spielt im kirchlichen Alltag kaum noch eine Rolle“, sagte er dem evangelischen Nachrichtendienst „idea“.

Auch Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), will im Kuratorium des geplanten Islamzentrums mitarbeiten und hat kritische Briefe dazu erhalten, die ihm ironisch vorhalten, er wolle wohl zum Islam übertreten.

Auf Initiative des Penzberger Imams Benjamin Idriz wollen Muslime in München ein Gemeindezentrum errichten, das sich „gegen Fundamentalismus und Extremismus aus welcher Richtung auch immer stark macht, gegen Parallelgesellschaften, gegen die Unterdrückung der Frau, gegen Rassismus und selbstverständlich gegen Terror und Gewalt“. Mit der neuen Moschee wolle man dem „Islam mit europäischem Gesicht, der den staatlichen und gesellschaftlichen Normen im Europa des 21. Jahrhunderts uneingeschränkt entspricht“, eine würdige Adresse geben. Viele Münchner Politiker und Bayerns CSU-Innenminister unterstützen das Projekt.

Bedford-Strohm und Alois Glück haben die Kritik in einer gemeinsamen Erklärung auf Facebook zurückgewiesen. Imam Idriz und das geplante Projekt stünden für einen Islam, der die Werte des Grundgesetzes bejahe. Das seien nicht nur Lippenbekenntnisse. Diese Kräfte im Islam wolle man durch die Mitarbeit im Kuratorium des MFI stärken. „Ich halte das für ein konstruktives Projekt“, sagte Glück dem Tagesspiegel. Im Übrigen sei es selbstverständlich, „dass wir als Christen für den christlichen Glauben werben und nicht für den Islam“.

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