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Umstrittene Doktorarbeit : Uni Düsseldorf beschließt Plagiatsverfahren gegen Schavan

23.01.2013 10:53 Uhrvon und
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) muss um ihren Doktortitel bangen. Foto: Jochen Zick/ Keystone, Montage: Daniel StreuberrBild vergrößern
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) muss um ihren Doktortitel bangen. - Foto: Jochen Zick/ Keystone, Montage: Daniel Streuberr

Ausgerechnet die Bundesbildungsministerin könnte demnächst ihren Doktortitel verlieren: Die Uni Düsseldorf eröffnet ein Plagiatsverfahren gegen Annette Schavan. Was der CDU-Politikerin vorgeworfen wird - und was Wissenschaftler dazu sagen.

Mehrere Stunden diskutierten die Mitglieder des Rats der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf am Dienstag über den Fall Schavan. Um 20 Uhr 40 schließlich verkündete der Dekan Bruno Bleckmann das Ergebnis der geheimen Abstimmung: Die Uni werde das Hauptverfahren zur Prüfung der Dissertation eröffnen: „Wenn wir als Fakultät substanzielle Anzeichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens erkennen, müssen wir dem konsequent nachgehen – und zwar unabhängig von der Person und ihrer Position“, erklärte Bleckmann.

Das Recht sehe für solche Fälle auch keine Verjährung vor. Die Mitglieder des Gremiums wollten sich in den kommenden zwei Wochen „intensiv“ mit den Unterlagen beschäftigen. Für den 5. Februar ist eine weitere Sitzung anberaumt. Ob dann eine Entscheidung fällt, sei offen, hieß es.

Der Promotionsausschuss der Uni, der die Dissertation zum Thema „Person und Gewissen“ aus dem Jahr 1980 einer Vorprüfung unterzogen hatte, hatte im Dezember einstimmig für die Aberkennung des Titels votiert. Ein Medienbericht, wonach der Ausschuss nicht von einer „leitenden Täuschungsabsicht“ ausgehe, wurde aus der Uni, wie berichtet, zurückgewiesen.

Was wird Schavan vorgeworfen?
An 60 Stellen der Doktorarbeit fand das Uni-Gutachten laut „Spiegel“ Plagiate. Es erkannte demnach ein Muster: Schavan suggeriere, sie habe sich mit Originaltexten von Philosophen und Psychologen auseinandergesetzt. Tatsächlich nutze sie aber Darstellungen aus der Sekundärliteratur, ohne das ausreichend zu kennzeichnen. Die Internetseite „Schavanplag“ beanstandet sogar 91 Stellen auf den insgesamt 351 Seiten der Arbeit.
Typisch ist eine Passage zu Freuds „Unbehagen in der Kultur“. Schavan erläutert Freuds Thesen und verweist auf die entsprechenden Seiten in Freuds Werk. Der Eindruck entsteht, sie habe Freud gelesen. Tatsächlich aber verwendet sie Bausteine aus einem Buch des Psychologen Ernst Stadter – das in der Arbeit jedoch nicht genannt wird. Laut „Schavanplag“ ist diese Stelle umso auffälliger, als Stadter die Gedanken Freuds nicht bloß wiedergibt, sondern sie eigenständig interpretiert .

An einer anderen Stelle gibt Schavan eine längere Passage über den österreichischen Psychoanalytiker Igor Caruso als eigene Beschäftigung mit dessen Schriften aus. Tatsächlich bedient sie sich in der ganzen Passage bei der Habilitationsschrift von Antoni Nowak, der von Schavan aber nur einmal kurz zitiert wird. Deutlich wird hier, wie Schavan ihr Vorgehen zu verschleiern versucht. Sie formuliert Nowaks Sätze etwas um. Und sie übernimmt vier Literaturreferenzen aus dessen Habilitationsschrift, um eigenständige Quellenarbeit zu suggerieren.

Selbst der abschließende knapp 60-seitige Abschnitt der Arbeit, in dem Schavan eigene Thesen entwickelt, enthält Plagiate. So stammt eine ihrer vorgeblich eigenständig formulierten Thesen aus einer Schrift des Kriminologen Lutz Hupperschwiller. Dieser wird jedoch an der Stelle nicht als Quelle angegeben.

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