Politik : „Ungerechte Risikoverteilung“

21.02.2012 00:00 UhrVon Rainer Woratschka

Die SPD will die privaten Pflegeversicherer zu einer milliardenschweren Ausgleichszahlung heranziehen.

Berlin - Die SPD hat für ihre Vorstellungen zur Pflegereform nun auch ein Finanzierungskonzept. Nach einem Papier der zuständigen Arbeitsgruppe, das dem Tagesspiegel vorliegt, sollen die privaten Pflegeversicherer künftig einen „Ausgleichsbetrag“ dafür bezahlen, dass sie im Verhältnis zu den Beitragszahlern deutlich weniger Pflegebedürftige versorgen als die gesetzlichen Kassen. Dieser würde derzeit etwa eine Milliarde Euro jährlich betragen.

Mindestens zwei weitere Milliarden Euro erwarten sich die Sozialdemokraten von der Erhebung einkommensabhängiger Beiträge bei sämtlichen Pflegeversicherten. Diese könnten auch in der privaten Pflegeversicherung ohne Verzögerung eingeführt werden, weil dieser „alle Kennzeichen einer wirklich privaten Versicherung“ fehlten und sie als Sozialversicherung nur von den Privatanbietern „durchgeführt werde“.

Für die Zukunft sei zudem „verfassungsrechtlich zu prüfen“, inwieweit man auf den bereits gebildeten Kapitalstock der Privatversicherer von inzwischen mehr als 20 Milliarden Euro zurückgreifen könne. An der Beitragsbemessungsgrenze soll sich nichts ändern.

Dass die private Pflegeversicherung die Beiträge in den vergangenen Jahren mehrfach und zum Jahresbeginn erneut um zwei bis fünf Prozent senken konnte, liege nicht etwa an einer von den Privaten „gern behaupteten Überlegenheit des Systems“, heißt es in dem Papier, „sondern an der ungerechten Risikoverteilung“. Auf die Zahl der Beitragszahler hochgerechnet versorgten die gesetzlichen Pflegekassen „fast dreimal so viele Pflegebedürftige“ wie die Privaten. Dies resultiere aus dem „früher möglichen (und breit genutzten) Rückwechsel privat Krankenversicherter“ in die gesetzlichen Kassen beim Eintritt ins Rentenalter. Aus diesem Grund seien „die Jahrgänge 1932 und älter“ bei den Privaten so dünn besetzt. Und nur deshalb sei es möglich gewesen, dort einen Kapitalstock in Milliardenhöhe aufzubauen.

Weil sich die Privatversicherer bisher „nicht im gerechten und gebotenen Umfang an der Finanzierung der Leistungserbringung“ beteiligt hätten, sei der Ausgleichsbetrag und möglicherweise auch der Zugriff auf den Kapitalstock in 20 bis 40 Jahren „verfassungsrechtlich möglich und geboten“, meinen die SPD-Experten. Die Höhe des Ausgleichsbetrags solle alle drei Jahre neu berechnet werden. Bei gleicher Risikobelastung könne er nach der Ansicht der Fachleute auf null sinken. Rainer Woratschka

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite