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US-Präsident in Hiroshima : Obama fordert eine Welt ohne Atomwaffen

Auf diese Geste hat Japan lange gewartet: Erstmals hat ein amtierender US-Präsident das Mahnmal für die Toten des Atombombenabwurfs auf Hiroshima besucht.

Gedenken an die Opfer der Atombombe: US-Präsident Barack Obama in Hiroshima.
Gedenken an die Opfer der Atombombe: US-Präsident Barack Obama in Hiroshima.Foto: Reuters/Carlos Barria

US-Präsident Barack Obama hat 71 Jahre nach der Zerstörung Hiroshimas durch eine amerikanische Atombombe den Opfern die Ehre erwiesen. Obama legte als erster US-Präsident im Amt am Mahnmal im Friedenspark in der japanischen Großstadt einen Kranz nieder. Obama schloss kurz die Augen, als er am Freitag vor dem Mahnmal innehielt. An seiner Seite war Japans Regierungschef Shinzo Abe, der sich verbeugte.

Obama verzichtete - wie vorher angekündigt - auf eine Entschuldigung für den verheerenden Angriff im August 1945. Obama sagte in einer fast 20-minütigen Ansprache: „Wir gedenken aller Unschuldigen, die während dieses Krieges ums Leben gekommen sind.“ Die USA und Japan hätten aus der Geschichte gelernt und Freundschaft geschlossen. Die Länder trügen die Verantwortung, dass sich ein solches Leid nicht wiederhole. Man müsse „Lehren aus Hiroshima“ ziehen.

Obama und Abe traten für eine Welt ohne Atomwaffen ein. „Wir mögen dieses Ziel in meiner Lebenszeit nicht erreichen. Aber mit anhaltenden Bemühungen können wir die Möglichkeit einer Katastrophe verhindern“, sagte Obama. Auch Abe sagte: „Das ist unsere Verantwortung: Eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen“ - egal wie lange das dauere oder wie schwer das auch sein möge.


Zuvor hatte Obama im Friedenspark das Museum besucht, das die Auswirkungen des ersten Atomwaffeneinsatzes in der Menschheitsgeschichte dokumentiert.

Barack Obama legte am Mahnmal für den Atombombenabwurf einen Kranz nieder.
Barack Obama legte am Mahnmal für den Atombombenabwurf einen Kranz nieder.Foto: Johannes Eisele/AFP



Mehr als 70.000 Menschen starben 1945 in Hiroshima

Der Blitz der ersten im Krieg eingesetzten Atombombe hatte Hiroshima in ein Inferno verwandelt. Von den 350.000 Bewohnern Hiroshimas starben durch die Atombombe auf einen Schlag schätzungsweise mehr als 70.000 Menschen; Ende Dezember 1945 lag die Zahl schon bei 140 000. Drei Tage nach dem ersten Abwurf zündeten die Amerikaner über Nagasaki eine zweite Atombombe. Bis Dezember 1945 starben dort etwa 70.000 Menschen. Die genaue Opferzahl wird sich nie ermitteln lassen, weil viele erst an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung starben.

Sein Besuch in Hiroshima zusammen mit Abe werde ihre „geteilte Vision einer Welt ohne Atomwaffen“ bekräftigen, sagte Obama vor dem Besuch am Rande des G7-Gipfels. „Ich will einmal mehr die sehr realen Bedrohungen unterstreichen und eine erhöhte Aufmerksamkeit bei uns allen dafür schaffen“. Konkret nannte er Nordkorea als Gefahr. Kritiker sind jedoch enttäuscht von Obamas atomarer Abrüstungsbilanz.

Seine Vision einer Welt ohne Atomwaffen habe bis heute kaum etwas bewirkt, sagte der Nuklearexperte Shannon Kile vom renommierten Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri der Deutschen Presse-Agentur. „Daraus ist wirklich gar nichts geworden“, sagte er. „Was wir stattdessen gesehen haben, ist im Grunde ein Triumph des nuklearen Status quo in den Vereinigten Staaten“, kritisierte Kile.

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Obama vor sieben Jahren in einer Rede in Prag seine Vision einer atomwaffenfreien Welt verkündet und war unter anderem dafür später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die Zahl der Atomsprengköpfe ist zwischen dem Beginn von Obamas Amtszeit 2009 und 2015 weltweit zwar von 23.300 auf 15.850 gesunken - zu Zeiten des Kalten Krieges waren es noch rund 70.000. Zugleich investieren die USA aber massiv in die Modernisierung von Atomwaffen. „Das ist für uns ein großer Schritt zurück“, sagte Kile. (dpa)

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