US-Truppen für Osteuropa : Die Rückkehr der Panzer

Die USA verlegen militärisches Gerät, darunter 144 Schützenpanzer, über Deutschland nach Osteuropa. Am Freitag wurde in Bremerhaven das erste Transportschiff entladen.

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Das erste von drei US-Transportschiffen mit Panzern und anderem militärischen Gerät wurde am Freitag in Bremerhaven entladen.
Das erste von drei US-Transportschiffen mit Panzern und anderem militärischen Gerät wurde am Freitag in Bremerhaven entladen.Foto: Ingo Wagner/dpa

Keine vier Jahre ist es her, dass der letzte US-Kampfpanzer Deutschland verließ. Im April 2013 wurde er in Bremerhaven auf ein Schiff verladen. Der Kalte Krieg war lange vorbei, ein Szenario, in dem eine militärische Abschreckung mit Panzern in Europa notwendig wäre, schien kaum noch vorstellbar. Doch mit der russischen Intervention in der Ukraine, die 2014 begann und bis heute andauert, änderte sich innerhalb der Nato die Einschätzung der Bedrohungslage. Plötzlich war im transatlantischen Bündnis wieder von der Notwendigkeit der Abschreckung und der „Rückversicherung“ für die Nato-Staaten in Osteuropa die Rede. In Bremerhaven kam nun erstmals wieder ein Transportschiff mit US-Panzern an, am Freitag wurde es entladen.

Operation "Atlantische Entschlossenheit"

Zwei weitere Transportschiffe sollen bis Sonntag in Bremerhaven eintreffen. An Bord der Schiffe sind nach Angaben der US-Armee 87 Kampfpanzer, 18 Panzerhaubitzen und 144 Schützenpanzer sowie weitere Militärfahrzeuge und Ausrüstung. Sie sind für die Operation „Atlantic Resolve“ (atlantische Entschlossenheit) vorgesehen, die nicht unter Federführung der Nato steht, sondern von den USA zur Unterstützung der osteuropäischen Verbündeten beschlossen wurde.

Die US-Armee verlegt die bisher in Fort Carson (Colorado) stationierte dritte Kampfbrigade der vierten Infanterie-Division nach Polen, wobei es sich nicht um eine dauerhafte Stationierung, sondern einen alle neun Monate rotierenden Einsatz handeln soll. Die meisten der 3500 Soldaten sollen direkt nach Polen fliegen. Für die Verlegung des militärischen Geräts erhalten die Amerikaner logistische Unterstützung von der Streitkräftebasis der Bundeswehr. Der größte Teil der Ausrüstung und der Militärfahrzeuge, darunter auch die Panzer, wird über die Schiene nach Osteuropa transportiert. Insgesamt 900 Eisenbahnwaggons sollen nun auf den Weg von Bremerhaven nach Polen geschickt werden, nur etwa 40 Fahrzeuge sollen nach Angaben der Streitkräftebasis auf deutschen Straßen unterwegs sein.

"Zunehmend kriegerisches Russland abschrecken"

„Atlantic Resolve“ läuft bereits seit 2014, die USA unterstützen die osteuropäischen Nato-Staaten bisher vor allem bei der Ausbildung und in gemeinsamen Übungen. Mit der Entsendung von Soldaten und Panzern erhält die Operation eine neue Dimension. Sie werde so lange wie nötig andauern, „um unsere Verbündeten und Partner rückzuversichern und ein zunehmend kriegerisches Russland abzuschrecken“, erklärte das Weiße Haus.

Auf dem Nato-Gipfel in Warschau hatte das Bündnis im Juli 2016 beschlossen, jeweils ein Bataillon mit etwa 1000 Soldaten in Polen, Litauen, Lettland und Estland zu stationieren. Deutschland soll für das Bataillon in Litauen die Führungsrolle übernehmen. Moskau sieht in diesem Beschluss einen Verstoß gegen die Nato-Russland-Grundakte. Darin hatte sich die Militärallianz gegen die dauerhafte Stationierung zusätzlicher „substanzieller Kampftruppen“ in Osteuropa ausgesprochen. Die Nato argumentierte jedoch, es sei ja keine dauerhafte, sondern nur eine rotierende Stationierung eines vergleichsweise kleinen Truppenkontingents geplant. Noch vor dem Warschauer Gipfel hatte Russland angekündigt, drei weitere Divisionen im Westen und Südwesten des Landes aufzustellen, also etwa 30000 Soldaten.

Auch in Bayern werden mehr US-Soldaten stationiert

Bis die Nato-Truppen im Baltikum eintreffen, soll dort vorübergehend ein US-Bataillon aus dem nun nach Osteuropa verlegten Kontingent stationiert werden. Ein anderer kleiner Teil der Truppen soll nach Bulgarien und Rumänien entsandt werden, ein Bataillon wird vorübergehend in Grafenwöhr bleiben. Ab Februar will die US-Armee zusätzlich etwa 1800 Soldaten und 60 Hubschrauber nach Europa verlegen, deren Hauptquartier im bayerischen Illesheim sein soll.

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