US-Truppen in Afghanistan : Fotos zeigen neue Leichenschändungen durch US-Soldaten

Neuer Vorwurf gegen die US-Truppen in Afghanistan: Ihre Soldaten sollen die Leichen von Aufständischen geschändet haben. Die „Los Angeles Times“ veröffentlichte grausige Bilder, die Männer in Uniform unter anderem mit blutigen abgetrennten Beinen zeigen.

Januar 2012: Bilder eines Skandalvideos zeigen US-Solaten, die auf getötete Taliban-Kämpfer urinieren sollen.
Januar 2012: Bilder eines Skandalvideos zeigen US-Solaten, die auf getötete Taliban-Kämpfer urinieren sollen.Foto: Reuters

Den US-Truppen in Afghanistan droht der vierte Skandal in nicht einmal vier Monaten: Die „Los Angeles Times“ berichtete am Mittwoch über Fotos aus dem Jahr 2010, auf denen US-Soldaten mehrfach mit den Überresten von Selbstmordattentätern posiert hätten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta und der Kommandeur der Isaf, US-General John Allen, verurteilten das Verhalten der US-Soldaten. Die amerikanische Botschaft in Kabul äußerte sich entsprechend. „Die Handlungen der fotografierten Personen vertreten nicht die Politik der Isaf oder der US-Armee“, teilte Allen am Mittwoch mit. Die Isaf habe strenge Vorgaben, wonach mit den sterblichen Überresten von Feinden „so menschenwürdig wie möglich“ umgegangen werden müsse.

Wie die „L.A. Times“ berichtete, habe sich der erste Vorfall im Februar 2010 ereignet, als Fallschirmspringer der 82. Luftlande-Division zu einem Stützpunkt der afghanischen Polizei in der Provinz Sabol entsandt worden seien. Dort sollten sie die Überreste eines angeblichen Selbstmordattentäters untersuchen, um seine Identifizierung zu ermöglichen. Statt dessen hätten sie Fotos gemacht, auf denen sie die Überreste des Attentäters hochgehalten hätten oder sich neben sie hinhockten.

Einige Monate später habe dieselbe Einheit den Auftrag bekommen, die Leichen von drei Aufständischen zu untersuchen, die sich laut afghanischer Polizei versehentlich selbst in die Luft gesprengt hatten. Zwei US-Soldaten hätten sich dabei für Fotos in Szene gesetzt, bei denen sie die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger hochhielten. Ein weiterer US-Armeeangehöriger habe eine inoffizielle Plakette der Einheit neben die anderen Leichen gelegt, auf der „Zombie Hunter“ („Zombie-Jäger“) zu lesen ist, und ein Foto gemacht.

Die zwei Jahre alten Bilder „repräsentieren keinesfalls die Werte oder den Professionalismus der überwältigenden Mehrheit der US-Soldaten, die heute in Afghanistan dienen“, erklärte ein Pentagon-Sprecher am Rande eines Treffens der NATO-Verteidigungs- und Außenminister am Mittwoch in Brüssel. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, die zu Disziplinarmaßnahmen führen könne. Die Verantwortlichen für dieses „menschenverachtende Verhalten“ würden im Rahmen der US-Militärjustiz zur Rechenschaft gezogen.

Der Sprecher kritisierte die Veröffentlichung der Bilder durch die Zeitung entgegen einer ausdrücklichen Bitte des US-Verteidigungsministeriums. Die Bilder könnten nun genutzt werden, um in Afghanistan zur Gewalt gegen US-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte aufzurufen.

Die „L.A. Times“ erhielt die Fotos nach eigenen Angaben von einem US-Soldaten, der anonym bleiben und eine Wiederholung derartiger Vorfälle verhindern wolle. Nach Angaben dieses Soldaten zeugten die Fotos von einem „Verfall der Führung und Disziplin“, der die Sicherheit der Truppen gefährden könne.

Die US-Armee soll die Zeitung nach Bekanntwerden der Vorfälle gebeten haben, die Fotos nicht zu veröffentlichen. Zeitungsherausgeber Davan Maharaj erklärte jedoch, die Zeitung habe sich „nach sorgfältiger Prüfung“ entschlossen, „eine kleine, aber repräsentative Auswahl“ zu publizieren. Denn die „L.A. Times“ sehe sich gegenüber ihren Lesern in der Pflicht, „unparteiisch über alle Aspekte des amerikanischen Einsatzes in Afghanistan zu berichten“. Am Mittwoch waren Fotos von US-Soldaten mit Leichenteilen auf der Website der Zeitung zu sehen.

Der Bericht kommt in einer Zeit, in der die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung wegen einer Reihe von Vorfällen stark belastet sind. Erst im Januar hatte ein Video für Empörung gesorgt, auf dem US-Marineinfanteristen zu sehen sind, wie sie auf die Leichen getöteter Aufständischer urinieren. Mitte Februar hatte die Verbrennung von Koran-Exemplaren auf einem US-Stützpunkt heftige Proteste gegen die Vereinigten Staaten ausgelöst. Im März soll ein US-Soldat bei einem Massaker 17 Menschen in Afghanistan getötet haben, darunter vornehmlich Frauen und Kinder. (dpa/AFP)

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