Verfassungsschutz : Maaßen warnt vor junger Dschihadisten-Generation

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen befürchtet, dass aus IS-Gebieten radikalisierte Kinder und Jugendliche nach Deutschland zurückkehren.

Das undatierte Foto zeigt einen Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), auf dem Weg von Rakka (Syrien) in den Irak.
Das undatierte Foto zeigt einen Fahrzeugkonvoi mit Mitgliedern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), auf dem Weg von Rakka...Foto: dpa

Ein Kleinkind bekommt eine Pistole in die Hand und drückt ab. Ein Junge soll mit einem Messer einen Mann töten. Die mit dramatischer Musik untermalten Propaganda-Videos des Islamischen Staats (IS) sprechen bereits seit Längerem gezielt Kinder und Jugendliche an. Der Verfassungsschutz warnt davor, dass nun auch in Deutschland eine neue Dschihadisten-Generation herangezogen werden könnte. „Wir sehen die Gefahr, dass Kinder von Dschihadisten islamistisch sozialisiert und entsprechend indoktriniert aus Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren“, sagt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen. Die Befürchtung: Diese könnten hier Anschläge verüben.

Bislang sind nach BfV-Angaben mehr als 950 Islamisten aus Deutschland Richtung Syrien und Irak ausgereist. Davon seien 20 Prozent weiblich gewesen, fünf Prozent zum Ausreisezeitpunkt minderjährig. Auf Grund der Lage in den Dschihadgebieten sei damit zu rechnen, dass Frauen zusammen mit ihren – oft auch erst dort geborenen Kindern – zurückkehren. Zuletzt haben die IS-Terroristen ihre wichtigste Bastion in Syrien, die Stadt Rakka, verloren. Mit vereinten militärischen Kräften konnte die Hochburg der selbsternannten Gotteskrieger zurückerobert werden.

Einige haben vielleicht sogar getötet

Gerade ältere Kinder, die nun aus solchen Gebieten nach Deutschland kämen, seien möglicherweise bereits durch den IS radikalisiert worden, befürchtet das BfV. Unter Umständen seien sie in Syrien oder dem Irak Gewalterfahrungen und einer gezielten Dschihadisierung ausgesetzt gewesen. Einige haben vielleicht sogar bereits getötet. Wenn ihre Mütter nun mit ihnen Anschluss suchen in salafistischen Milieus in Deutschland, könnte ihre Radikalisierung weiter vorangetrieben werden. Derzeit schätzen die Verfassungsschützer die salafistische Szene in Deutschland auf etwa 10.300 Personen.

Drei islamistische Anschläge durch Minderjährige 2016

Dass die Gefahr durch minderjährige Terroristen durchaus real ist, zeigte sich im vergangenen Jahr: Insgesamt drei islamistische Terroranschläge wurden 2016 von Minderjährigen verübt. Da war die Messerattacke der 15-jährigen IS-Sympathisantin Safia S., die Anfang 2016 einen Bundespolizisten schwer verletzte. Da war der Sprengstoffanschlag, den drei Jugendliche auf das Gebetshaus einer Sikh-Gemeinde in Essen verübten. Und da war der minderjährige Flüchtling, der im Juli 2016 in einer Regionalbahn bei Würzburg mehrere Menschen mit einem Beil verletzte. In einem Bekennervideo bezeichnete er sich als „Soldat des Islamischen Staats“. Dazu kommen die versuchten Sprengstoffanschläge, die ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker Ende 2016 auf den Weihnachtsmarkt und den Rathausplatz in Ludwigshafen verüben wollte. Das konnte verhindert werden – laut Medienberichten wären die Sprengkörper ohnehin nicht zündfähig gewesen.

Auch wenn Jugendliche nur einen kleinen Teil der vom Verfassungsschutz gespeicherten Personen ausmachen, könnten sie – weil manipulierbarer – gefährlicher sein als ältere. Insgesamt ist das islamistisch-terroristische Personenpotenzial in Deutschland laut BfV auf 1870 Personen angestiegen.

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

Autor

20 Kommentare

Neuester Kommentar