Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Zeit-Herausgeber Josef Joffe spricht über den Umgang mit Russland und attestiert Donald Trump nach Dr. Freud ein hochgradig zwanghaftes Verhalten.

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Ortstermin bei Josef Joffe.
Ortstermin bei Josef Joffe.Foto: null

Der Friedensnobelpreis geht nach Kolumbien. Was kann so ein Preis heute noch bewirken?

Hat er je etwas bewirkt? 1929 bekam US-Außenminister Kellogg den Preis für den Kellogg-Briand-Pakt, der den Krieg auf ewig ächten sollte. Zehn Jahre später brach der schlimmste aller Zeiten aus. Das Trio Arafat-Peres-Rabin wurde 1994 geehrt. Statt Frieden zwischen Israel und den Palästinensern folgten Terror und Krieg. Obama hat den Preis 2009 für nichts bekommen, als Antrittsgeld. Er zog sich aus Nahost zurück; heute sterben Hunderttausende in Syrien und Irak. Santos erhielt den Preis 2016 für den Frieden zwischen Bogota und Farc nach 50 Jahren. Offensichtlich hat es der Präsident den Terroristen zu leicht gemacht. Denn das Volk votierte mit einem deutlichen Nein.

Angela Merkel reist nach Afrika. Sie will verhindern, dass junge Afrikaner nach Europa streben. Was kann sie tun?

Die Idee, mit Westgeld Wohlstand und Frieden, also keine Flüchtlinge, in der Dritten Welt zu schaffen, ist so verlockend wie verträumt. Entwicklungshilfe schafft kaum Entwicklung, sondern Korruption und staatliche Misswirtschaft. Afrika ist leider das beste Beispiel. Dagegen beruhen die Wirtschaftswunder Japans, Taiwans, Koreas und Chinas auf Selbsthilfe, Konsumverzicht und Auslandsinvestitionen. „Besser“ wären Direktzahlungen an die Autoritären. Die müssen dafür geloben, ihren Untertanen die Flucht zu erschweren – oder wie Erdogan die Westgrenze dicht machen.

Die Bundesregierung zeigt Verständnis für Russlandsanktionen wegen der Bomben auf Aleppo. Der richtige Weg?

Manchmal, aber sehr langsam, funktionieren Sanktionen, zum Beispiel die gegen Südafrika und Iran. Sie müssen freilich umfassend sein; es nützt nichts, wenn X sanktioniert und dann Y den Markt aufrollt. Sanktionen haben allerdings einen hohen symbolischen Wert, indem sie dem Aggressor Widerstandswillen signalisieren. Darum geht es jetzt im Falle Putin, der Kosten und Risiken sehr wohl kalkulieren kann. Bislang hat es ihm der Westen zu einfach gemacht, weil er wähnte, Gegeneskalation werde den Zaren nur reizen. Er hat die Zurückhaltung leider als Gelegenheit gesehen.

Ein letztes Wort zu „Trump und die Frauen . . .

Ein Letztes? Laut gerade veröffentlichtem Mitschnitt hat er 2005 über eine Frau so geredet, wie es 14-jährige Jungen im Suff tun, um vor anderen zu protzen. Bloß war Trump damals 59. Und er tut es heute noch, wiewohl nicht so krude und obszön. Dr. Freud würde konstatieren: hochgradig zwanghaft. Aber Trump geht nicht auf die Couch. Er verzichtet auch nicht auf die Kandidatur, was Parteifreunde öffentlich fordern. Er hat sich entschuldigt, dann auf Twitter nachgelegt: „ICH GEBE NIE AUF!“

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Die Fragen stellte ihm Fabian Leber

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