Vorwürfe gegen Blutverdünner Xarelto : Klagewelle gegen Bayer

14.000 Klagen in den USA: Das Mittel soll Blutungen verursacht haben, sogar den Tod. Bayer weist die Vorwürfe gegen seinen Blockbuster zurück.

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Schlechte Nachrichten kann Bayer jetzt gar nicht gebrauchen. Der Konzern ist mit der Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto beschäftigt.
Schlechte Nachrichten kann Bayer jetzt gar nicht gebrauchen. Der Konzern ist mit der Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto...Foto: dpa

Schlechte Nachrichten für Bayer: Der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern muss sich mit einer Klagewelle in den USA auseinandersetzen. Diese richtet sich gegen das Medikament, mit dem Bayer und seine in Berlin angesiedelte Pharmasparte derzeit am erfolgreichsten sind – den Blutverdünner Xarelto. Das Medikament soll Schlaganfälle verhindern. Der Blockbuster hat Bayer im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro beschert, Tendenz steigend. Im vergangenen Quartal nahm der Schering-Nachfolger mit Xarelto 772 Millionen Euro ein, davon 139 Millionen Euro in den USA.

Schwere Nebenwirkungen

Von dort droht jetzt Ungemach. Patienten werfen dem Kassenschlager schwere Nebenwirkungen vor. Xarelto wird für Blutungen bis hin zu Todesfällen verantwortlich gemacht. Zwischen Januar und Oktober stieg die Zahl der Klagen nach Bayer-Angaben von rund 4300 auf 13.800. Inzwischen sei sogar die Schwelle von 14..000 Klagen überschritten worden, berichteten das „Handelsblatt“ und der WDR. Nach Recherchen beider Medien soll Bayers US-Vertriebspartner Janssen den Zulassungsbehörden zudem jahrelang verschwiegen haben, dass während der Zulassungsstudie zahlreiche Testgeräte defekt waren und das Mittel bei auftretenden Blutungen womöglich zu gut abgeschnitten hat.

"Der am intensivsten geprüfte Wirkstoff"

Bayer wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück und warnte Patienten davor, das Mittel ohne Rücksprache mit ihrem Arzt abzusetzen. Die Gruppe der neuen Gerinnungshemmer (NOAK) reduziere das Risiko von tödlichen Blutungen und Hirnblutungen verglichen mit den Vorläuferpräparaten, heißt es in einer Mitteilung. An klinischen Studien hätten bereits mehr als 85.00 Patienten teilgenommen, „das Bayer-Präparat ist bereits jetzt der am intensivsten geprüfte Wirkstoff in der Gruppe der NOAK“. Die europäischen und die US-Zulassungsbehörden hätten zudem bestätigt, dass eine potentielle Fehlfunktion des in der Zulassungsstudie eingesetzten Messgeräts keine Auswirkungen auf die Ergebnisse hatte.
Für den Konzern kommt der Ärger zur Unzeit. Bayer ist derzeit damit beschäftigt, die Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto über die Bühne zu bringen. Und: Pharmaklagen können teuer werden. Im Rechtsstreit um die Antibabypille Yasmin/Yaz hat Bayer inzwischen mit mehr als 10 000 betroffenen Frauen Vergleichszahlungen in Höhe von mehr als 1,9 Milliarden Euro vereinbart.

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