Wahltrends : Die Deutschen wollen Merkel, was will Gabriel?

Während Angela Merkel laut Umfragen trotz der Flüchtlingskrise weiter die erste Wahl als Kanzlerin bleibt, genießt Sigmar Gabriel nicht einmal in seiner eigenen Partei besonders viel Vertrauen. Ein Kommentar.

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Angela Merkel und Sigmar Gabriel im Bundestag.
Angela Merkel und Sigmar Gabriel im Bundestag.Foto: REUTERS/Hannibal Hanschke

Wahltrends zeigen Trends - oder nicht? Also, der jüngste veröffentlichte Trend ist einer, der sich fortsetzt. Befragt, wen sie als Kanzler haben wollen, sagen heute 50 Prozent: Angela Merkel. Übrigens wie in der Vorwoche. Und das bei dem Trommelfeuer an Kritik, seit Wochen, mit Horst Seehofer an der Spitze, dem Chef der Unionsschwester CSU. Für SPD-Chef Sigmar Gabriel als Kanzler sind gerade mal 14 Prozent. Das ist verdammt wenig; wenngleich ein Punkt mehr für ihn als in der vergangenen Woche.

Kein Wunder, dass Gabriel sich mit einer Kanzlerkandidatur schwer tut. Ob er sich schon umschaut in der Partei? Nein, nicht ob ihn einer mit dem Dolch im Gewande aus der Kulisse meucheln will. Sondern ob sich einer anbietet, ihm die Bürde der Kandidatur abzunehmen. Gemunkelt wird von Olaf Scholz, dem Hamburger Bürgermeister. Der ist zwar in der SPD außerhalb der Hansestadt nicht übermäßig beliebt. (Was übrigens Helmut Schmidt auch nie war.) Aber erfolgreich ist Scholz. Und einer, der für den Satz steht: "Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie." Das hat gerade Konjunktur, wie die jüngsten Wahlen gezeigt haben.

Alles wird diskutiert vor dem Hintergrund, dass auch 55 Prozent der Grünen-Anhänger und sogar 36 Prozent der SPD-Anhänger lieber Merkel als Gabriel im Kanzleramt sähen. Das muss man sich mal vorstellen! Übersetzt bedeutet es: Merkel hat dem Volk die Vertrauensfrage gestellt - und hat gewonnen. Sie kann sich freuen. Gabriel nicht. Nicht einmal seine eigene Partei hat das allergrößte Vertrauen in ihn. Dass Seehofer gegen Merkel wettert, ist kein Trost. Vielmehr im Gegenteil: Auch Gabriel hält Seehofer mit seiner andauernden Kritik für nicht ganz bei Trost.

Merkel übersteht Flüchtlingsfrage weitgehend unbeschadet

Nun sind Fehlerquoten bei Umfragen einzurechnen, 2,5 Prozentpunkte. Aber das macht es dann auch nicht viel besser. Und für die Kanzlerin nicht so furchtbar viel schlechter. Die Flüchtlingsfrage ramponiert ihr Image doch nicht so sehr, dass sich, summa summarum, irgendein anderer Hoffnung machen könnte. Weder in der CDU noch gar in der SPD.

Außerdem kann sich die CDU sowieso nicht beklagen. Im Durchschnitt kommt sie in Deutschland in den Ländern immer noch auf rund 30 Prozent, wohlgemerkt im Durchschnitt. Davon können die Sozialdemokraten nur träumen. Sie müssen sich hoch kämpfen. Frei nach Brandt: 20 Prozent wären im Moment auch schon ein schönes Ergebnis. Eines kann man sagen: Der Trend ist gerade nicht ihr Genosse.  

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