Zuwanderung nach Deutschland : Mehr Zuwanderer kommen, die Ablehnung ist groß

Immer mehr Menschen wandern in die Bundesrepublik ein - aus den unterschiedlichsten Gründen: politischer Verfolgung, Armut, Arbeitslosigkeit, Freizügigkeit. Vor allem Nicht-EU-Einwanderer haben es nicht leicht.

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Mehr Menschen kommen nach Deutschland: eine Einbürgerungszeremonie in Brandenburg.
Mehr Menschen kommen nach Deutschland: eine Einbürgerungszeremonie in Brandenburg.Foto: Patrick Pleul/dpa

Wie viele Menschen sind im letzten Jahr nach Deutschland eingewandert? Und wie viele sind ausgewandert?

Die Zuwanderung nach Deutschland steigt. Im ersten Halbjahr 2014 kamen 667 000 Personen in die Bundesrepublik, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das waren 112 000 Zuzüge mehr als in der ersten Jahreshälfte 2013. Im Gesamtjahr 2013 waren rund 1,2 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gezogen. Das war die höchste Zahl an Zuwanderern seit 20 Jahren. Nach Darstellung des Statistikamtes belief sich die Zahl der Fortzüge aus der Bundesrepublik im ersten Halbjahr 2014 auf etwa 427 000. Demnach zogen 240 000 Personen mehr zu als fort. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 erhöhte sich dieser sogenannte Wanderungssaldo um 17 Prozent; damals zogen 206 000 Personen mehr zu als fort.

Aus welchen Ländern kommen die Zuwanderer nach Deutschland?

Auch wenn Flüchtlinge aus Nahost, Afrika und Asien die Nachrichten beherrschen: Der weitaus größte Teil derer, die nach Deutschland kommen, sind wie seit vielen Jahren Europäer. Im ersten Halbjahr 2014 waren 78 Prozent der Einwanderer mit ausländischem Pass Europäer, also 476 000 von 611 000. 85 Prozent von ihnen waren Bürger der Europäischen Union.

Rumänen waren mit 98 000 Personen die größte Gruppe der Neuen, gefolgt von Menschen aus Polen, Bulgarien und Italien. Der Zuzug aus Italien hat sich, anders als der aus den südeuropäischen Krisenländern Griechenland und Spanien, erneut verstärkt, er kletterte um 28 Prozent auf 34 000. Der aus Spanien stieg nur um ein Prozent, aus Griechenland verminderte er sich sogar um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Syrer machten erneut die größte Gruppe unter den Nichteuropäern aus: 22 000 von ihnen, die Mehrzahl Bürgerkriegsflüchtlinge, erreichten Deutschland in der ersten Hälfte von 2014. Im ersten Halbjahr 2013 waren es 15 000.

Welches Aufenthaltsrecht haben sie?

Für den Löwenanteil der Einwanderer, also jene, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitglieds haben, genügt ihr Pass: Sie sind Deutschen praktisch gleichgestellt, dürfen nach Deutschland wie in jeden anderen EU-Staat kommen und bleiben; auch eine Arbeitserlaubnis brauchen sie nicht. Nur wer nicht arbeitet – etwa weil er oder sie Rente bezieht oder studiert –, muss nach drei Monaten eine Krankenversicherung und ausreichend Geld nachweisen, um ohne staatliche Hilfe zu überleben.

Wer von außerhalb der EU auf Dauer kommen will, braucht dafür einen „Aufenthaltstitel“. Er wird je nach Zweck des Aufenthalts – zum Beispiel Studium oder Arbeit – erteilt. Flüchtlinge durchlaufen ein Asylverfahren. Das waren im vergangenen Jahr 203 000 Menschen (Erstanträge), für 2015 rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit 250 000 Erst- und 50 000 Folgeanträgen. Aber auch wer kein Asyl erhält, muss Deutschland nicht immer verlassen. Wer etwa zu krank für eine Abschiebung ist oder in seiner Heimat mit Verfolgung rechnen muss, erhält eine sogenannte Duldung, die aber keine Sicherheit auf Dauer gibt.

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