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Zwischenfall in Akw in der Ukraine : Bundesregierung: Berichte beruhen auf Missverständnis

Das deutsche Bundesumweltministerium hat erklärt, die Berichte über einen Atomunfall in der Ukraine beruhten auf einem Missverständnis. Es habe keinen Atomunfall gegeben. Die Messwerte in den Nachbarländern zeigen keine erhöhte Radioaktivität.

Das Atomkraftwerk Saporoschje auf einem Foto von 1994.
Das Atomkraftwerk Saporoschje auf einem Foto von 1994.Foto: dpa

Die Berichte über einen Atomunfall in der Ukraine beruhen nach Erkenntnissen des deutschen Bundesumweltministeriums auf einem Missverständnis. Einen Atomunfall habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf einen Kontaktmann der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Dieser habe von den Behörden im Land die Auskunft erhalten, dass es vielmehr vor einigen Tagen einen Brand im nichtnuklearen Teil des Atomkraftwerks Saporischschja gegeben habe. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen nach Angaben einer Sprecherin keine eigenen Erkenntnisse vor.

Im Südosten der Ukraine, in der Region Saporoschje, sollte sich nach Angaben von Ministerpräsident Arseni Jazenjuk vom Mittwochmorgen ein Zwischenfall in einem Akw ereignet haben. Jazenjuk hatte den Energieminister angewiesen, dazu eine Pressekonferenz einzuberufen.

Der Energieminister gab dann weitgehend Entwarnung. Im dritten Block des Kraftwerks Saporoschje im Südosten des Landes sei es am Freitag zu einem Kurzschluss im Bereich der Stromabfuhr gekommen, sagte Energieminister Wolodymyr Demtschyschyn vor Reportern in Kiew. Der Reaktor sei von dem Defekt "in keiner Weise" betroffen, es bestehe "keine Bedrohung". Nach einer Überprüfung des Systems werde der Atommeiler bis Freitag wieder seine volle Leistung bringen, kündigte Demtschyschyn an. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers wurde der Reaktor vom Netz genommen, eine erhöhte Strahlung sei nicht gemessen worden. Wegen der Panne kam es in der Region zu Engpässen bei der Stromversorgung.

Der Energieminister beendete die Pressekonferenz abrupt, als die Journalisten weitere Fragen stellen wollten, und erklärte, alle Fragen würden in den nächsten Tagen beantwortet werden. Dann verließ er den Saal.

Die Bundesregierung erklärte am Mittwochnachmittag, sie habe keine Hinweise auf einen Atomunfall. Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, man habe einen Verbindungsmann der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Kiew kontaktiert. Dieser habe unter Berufung auf die ukrainischen Aufsichtsbehörden berichtet, einen Atomunfall gebe es nicht. Die Meldungen beruhten offenbar auf Missverständnissen. Es habe einen Brand im nicht-nuklearen Teil der Anlage gegeben. Diese sei daraufhin am 28. November heruntergefahren worden. Die Messdaten der Nachbarländer zeigen keine erhöhten Werte. Auch die Messstation der deutschen Botschaft in Kiew zeige keine höhere Radioaktivität an, berichtete das Umweltministerium.

Saporoschje gilt als leistungsstärkstes Kernkraftwerk Europas und liegt rund 570 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Kiew.

Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, ein Reaktorblock mit einer Bruttoleistung von 1000 MW sei von dem Unfall betroffen. In der Ukraine war es im April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einem der schlimmsten Atomkatastrophen weltweit gekommen.

In der Ukraine hat es nach Angaben des Ministerpräsidenten einen Atomunfall gegeben.
In der Ukraine hat es nach Angaben des Ministerpräsidenten einen Atomunfall gegeben.Foto: Reuters

Im Südosten der Ukraine, in der Region Saporoschje, gibt es sechs Reaktoren. Sie liegen 200 Kilometer von Donezk entfernt. In der Ukraine gibt es insgesamt 15 Atomreaktoren.

Laut "Tagesschau.de" gibt es dort 100 Behälter mit abgebrannten Brennelementen, die ungeschützt im Freien stehen. Der Chef der ukrainischen Atomaufsicht, Sergej Boschko, sagte kürzlich, "unsere modernen Akw der Baureihe WWR 320 sind gegen den Absturz kleiner Flugzeuge von zehn Tonnen gesichert".

Gefechte in Donezk

In der umkämpften Ostukraine ist es am geschlossenen Flughafen der Separatistenhochburg Donezk erneut zu Gefechten gekommen. Die Armee habe mit Artillerie massiv Stellungen unter Feuer genommen, teilten die prorussischen Aufständischen am Mittwoch mit.
Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor.
Die Separatisten hatten am Dienstag behauptet, sich mit dem Militär auf eine neue Feuerpause am zerstörten Flughafen geeinigt zu haben.
Dies bestätigte aber die prowestliche Führung in Kiew nicht. Auch für eine geplante Waffenruhe im Separatistengebiet Lugansk gab es zunächst keinen Beleg.
In Kiew bestätigte der Sprecher der „Anti-Terror-Operation“, Alexej Dmitraschkowski, Kämpfe in Donezk. Er warf den Separatisten vor, Armee-Einheiten angegriffen zu haben.
Der regierungsnahe Militärexperte Dmitri Tymtschuk sagte, die Konfliktparteien hätten sich nur auf den Abtransport von Toten und Verletzten am Flughafen geeinigt - nicht aber auf eine umfassende Feuerpause. Bei Gefechten seien in den vergangenen Tagen in der Region auch vier Russen aufseiten der Aufständischen getötet worden, sagte er. Moskau bestreitet, dass russische Soldaten an Gefechten beteiligt sind.
Dem Sicherheitsrat in Kiew zufolge wird auch an weiteren Orten im Donbass gekämpft. Mindestens fünf Zivilisten seien verletzt worden. (Tsp/dpa/Reuters/AFP)