1. FC Union Berlin : Die hohe Anspruchshaltung des Herrn Keller

Union Berlins Trainer Jens Keller will den 1. FC Union nach vorne bringen. Eine neue Taktik, die viel von den Spielern fordert, soll dies ermöglichen.

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Jens Keller verlangt viel von seinen Spielern.
Jens Keller verlangt viel von seinen Spielern.Foto: Imago

Kärnten zeigte sich zum Abschied noch einmal von seiner besten Seite. Schon am Morgen strahlte die Sonne, als sich die Fußballer des Zweitligisten 1. FC Union zum letzten Mal in Villach aufs Rad schwangen. Am Mittag endete das neuntägige Trainingslager in Österreich. Die 26 Spieler flogen mit müden Beinen nach Hause, Trainer Jens Keller mit einem guten Gefühl. „Ich glaube, dass das Team sehr viel mitgenommen und auch schon viele Dinge umgesetzt hat“, sagte Keller. „Sie ist sicher noch nicht bei hundert Prozent, aber sie hat schon einen schönen Schritt gemacht.“

Der wird für die meisten Union-Kicker mit neuem Spielsystem verbunden sein. In Villach trichterte Keller seiner Elf eine 4-3-3-Taktik mit einem Sechser und zwei Achtern ein. Der defensive und die beiden offensiven Mittelfeldspieler befinden sich dabei nicht immer auf einer Höhe. Von allen Akteuren verlangt Keller dabei eine aggressive Balleroberung. Das schlaucht. „Die Trainer sind viel auf Pressing und Vorwärtsverteidigen aus. Das ist schon sehr intensiv. Man muss topfit sein“, sagte Kapitän Benjamin Kessel.

Beim 3:2-Erfolg gegen den italienischen Erstligisten Udinese Calcio am Sonntag erzielte Union zwei Tore nach Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte. Das war ganz nach dem Geschmack von Keller. Bei der 1:3-Niederlage am Dienstag gegen den englischen Premier-League-Vertreter FC Watford war den Berlinern die Müdigkeit vor allem in Hälfte eins anzumerken. Keller kritisierte, dass er mit der Laufbereitschaft in der ersten Hälfte nicht zufrieden gewesen sei.

"Aber meine Vorstellung von Fußball ist genau die gleiche wie auf Schalke"

Die Ansprüche des früheren Bundesligatrainers sind nach wie vor hoch, auch wenn er nicht mehr Schalke 04 in der Champions-League betreut. „Ich bin mit der Art und Weise, wie die Mannschaft zuhört, wie sie es probiert, alles umzusetzen, sehr zufrieden. Aber es ist völlig klar, dass dies nicht das Niveau einer Champions-League-Mannschaft sein kann“, erklärte Keller. „Meine Ansprüche bleiben dabei aber die gleichen, auch wenn es auf einem anderen technischen Niveau stattfindet. Aber meine Vorstellung von Fußball ist genau die gleiche wie auf Schalke.“

Keller und sein dänischer Co-Trainer Henrik Pedersen sind sich nicht zu schade, das Training immer wieder zu unterbrechen. Kritik verpacken sie eher humorvoll. Aber auch Keller weiß, dass Mannschaften unter einem neuen Trainer anfangs immer mitziehen. Der wahre Teamgeist werde sich erst zeigen, wenn die Stammplätze vergeben sind.

Diesbezüglich hält sich Keller alle Optionen offen, auch den zukünftigen Kapitän will er erst später bestimmen. Die Kandidaten mit den besten Aussichten scheinen der bisherige Amtsinhaber Kessel und Toni Leistner zu sein

Keller hält den aktuellen Kader für reif genug, oben mitzuspielen. „Hannover und Stuttgart gehören für mich von den finanziellen Möglichkeiten her zu den Aufstiegsfavoriten“, sagte Keller. „Danach sind fünf oder sechs Mannschaften auf einem Niveau. Da zählen wir uns auf jeden Fall dazu. Da muss man schauen, dass man besser ist.“

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