1. FC Union Berlin : Zwanzig Kilo leichter

Nach der Länderspielpause kann sich der 1. FC Union endgültig den Klassenerhalt sichern. Dafür benötigt der Zweitligist allerdings mehr Durchschlagskraft im Angriff.

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Erleichterung beim 1. FC Union: Die Mannschaft von Trainer Norbert Düwel (l.) kann nach der Länderspielpause den Klassenerhalt klarmachen Foto: dpa
Erleichterung beim 1. FC Union: Die Mannschaft von Trainer Norbert Düwel (l.) kann nach der Länderspielpause den Klassenerhalt...Foto: dpa

Roberto Puncec atmete tief ein, riss die Augen weit auf und atmete wieder aus, bevor er antwortete. „Puh“, sagte der Abwehrspieler des 1. FC Union nach dem 1:0 seiner Mannschaft gegen den FC St. Pauli. „Ich bin erleichtert.“ Noch während des Sprechens verriet sein Gesicht die maßlose Untertreibung, also schob der Kroate schnell hinterher: „Um 20 Kilo.“

Tatsächlich sah der drahtige Puncec nach dem Spiel noch etwas hagerer aus als sonst, die 90 vorangegangenen Minuten hatten ihn ausgelaugt – mental und physisch. Eine Niederlage gegen die stark abstiegsbedrohten Hamburger hätte Union noch einmal in arge Nöte gebracht. „Deshalb war der Sieg so wichtig“, sagt Puncec. Zehn Punkte haben die Berliner nun Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 – bei noch acht ausstehenden Spielen. Ein komfortabler Vorsprung, aber die vermeintliche Sicherheit könnte sich als trügerisch erweisen. Nach der Länderspielpause spielt Union gegen die beiden Abstiegskandidaten Erzgebirge Aue und den VfR Aalen. Anschließend geht es zum SV Sandhausen, der ebenfalls noch nicht durch ist. Erst nach diesen Begegnungen sollte feststehen, ob der 1. FC Union auch im kommenden Jahr in der Zweiten Liga spielt oder ob es doch noch mal brenzlig wird. „Das sind alles direkte Konkurrenten, die Spiele müssen wir gewinnen. Erst dann kann man sagen, dass wir gerettet sind“, sagt Christopher Quiring.

Lienen gratulierte bereits zum Klassenerhalt

St. Paulis Trainer Ewald Lienen ist das zu negativ gedacht. Er gratulierte seinem Kollegen Norbert Düwel schon zum Klassenerhalt. Nach Lienens Ansicht verfügt Union über zu viel fußballerische Qualität, um noch einmal in Abstiegsgefahr zu geraten. Das ist im Grunde auch richtig, nur gelingt es den meisten Spielern gerade nicht, ihre Fähigkeiten abzurufen. Vor allem in der Offensive läuft derzeit wenig bis gar nichts zusammen.

Gegen St. Pauli war es ein Platzfehler, der das Spiel entschied. Nur wegen einer Unebenheit im Rasen versprang Torhüter Robin Himmelmann der Ball beim Abschlagversuch, sodass Sebastian Polter eine Minute vor dem Ende nur noch das leere Tor treffen musste. Es ist wohl nicht zu kühn zu behaupten, dass es ohne die Hilfe des eigenen Grüns nur zu einem torlosen Unentschieden gereicht hätte. Schon gegen Kaiserslautern (0:0) und in Darmstadt (0:5) blieb die Mannschaft ohne Torerfolg. Die Kreativität, mit der Union direkt nach der Winterpause Spiele für sich entschied, ist in den letzten Wochen verloren gegangen. „Irgendwo fehlt die letzte Entschlossenheit“, sagt Torschütze Polter.

Einer, der in dieser Hinsicht stets vorbildlich auftritt, muss seit zwei Wochen von der Tribüne aus zusehen. Sören Brandy verletzte sich in Leipzig (2:3) so schwer an der Schulter, dass die Saison für ihn beendet ist. Brandy fehlt seiner Mannschaft im Abstiegskampf. Ohne ihn mangelt es Unions Offensivspiel an Durchschlagskraft. „Sören ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft gewesen“, sagt sein Angriffspartner Sebastian Polter. „Aber jetzt müssen andere sich zeigen. Wir als Mannschaft müssen seinen Ausfall auffangen.“ Das ist bisher nicht gelungen, Martin Kobylanski konnte sich als Ersatz noch nicht aufdrängen. Bleibt noch Bajram Nebihi, aber der spielt in den Überlegungen von Trainer Düwel kaum noch eine Rolle. Gegen St. Pauli blieb Nebihi wie so oft die kompletten 90 Minuten auf der Bank. Zwei Wochen hat Düwel nun Zeit, um mit seiner Mannschaft am Offensivspiel zu arbeiten. Nichts benötigt der 1. FC Union in der letzten Saisonphase dringender als Tore.

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