Sport : 1000 Medikamente in Italien bei Doping-Razzia beschlagnahmt

Tom Mustroph

Berlin - Für die einen gehört es zum Radsportalltag, Laufräder zu trimmen. Die Tätigkeit der Mechaniker wird gern bei der am Samstag beginnenden Tour de France ins Bild gesetzt, als Ergänzung zu den Profis, die sich beim Pedalentreten heftig verausgaben. Nur die Praxis derer, die die Erschöpfung mit dem Griff in den Medizinschrank zu verringern suchen, entzieht sich dem öffentlichen Blick.

Privilegierte Beobachter der pharmazeutischen Optimierung sind hingegen die Männer der Guardia di Finanza in Padua. Für sie gehört es seit zehn Jahren zum Radsportalltag, ein paar Wanzen zu installieren, Telefone abzuhören und, wenn sie genug Material gesammelt haben, mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss in der Hand die Domizile der Sportler aufzusuchen, die glauben, unentdeckt weiter dopen zu können.

Vor zwei Wochen führten sie gemeinsam mit den Carabinieri aus Brescia eine groß angelegte Dopingrazzia beim wichtigsten italienischen Nachwuchsrennen, dem „Baby Giro“, durch. Sie fanden einige verbotene Substanzen. Am Dienstag waren sie wieder unterwegs. Auf Anweisung vom Staatsanwalt Benedetto Roberti aus Padua durchsuchten Polizisten in Nord- und Mittelitalien 22 Objekte. Über tausend Medikamente wurden beschlagnahmt. Darunter befinden sich der Blutexpander Albumin, der Appetitzügler Sibutramin und das Rinderblutpräparat Actovegin. Ermittlungsverfahren gegen 33 Personen wurden eingeleitet, darunter etliche Radsportprofis und auch ein Fußballer aus Genua.

Marco Velo ist dabei der bekanntester Radprofi, gegen den ermittelt wird. Er nahm einst im Milram-Sprintzug von Alessandro Petacchi eine herausragende Position ein. Jetzt ist er bei Quick Step unter Vertrag, aber nicht für die am Sonnabend beginnende Tour de France nominiert. In Simone Cadamuro, jetzt beim zweitklassigen Team Amica Chips Knauf engagiert, ist ein weiterer Milram-Profi aus der Petacchi-Ära in das Verfahren verwickelt.

Dreh- und Angelpunkt ist der Mediziner Filippo Manelli. Er soll den Radprofis Dopingpräparate verabreicht haben. Pikanterweise ist Manelli gut vernetzt im italienischen Radsport. Er war Vizepräsident des Organisationskomitees der 18.Etappe des Giro d’Italia von Levico Terme nach Brescia. Marco Velo passierte da als 15. den Zielstrich und durfte sich wohl in ganz besonders guten Händen fühlen. Aber die Tour de France findet in einem anderen Land statt. Leider sind Staatsanwaltschaft und Polizei dort nicht so aktiv, um etwas mehr Licht auf die Schattenseiten des Sportgeschäfts zu werfen. Tom Mustroph

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