20 Eigentore in einem Spiel : Russlands Sportszene ist entsetzt - wirklich?

20 Eigentore - ein neuer Rekord im russischen Sport. Allerdings nur im Bandy. Reagiert der russische Verband angemessen? Eher nicht. Ein Kommentar

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Und nun? Der Trainer von Wodnik (links) und ein Direktor des russischen Bady-Verbandes vor der Tagung der Disziplinarkommission beim Verband. Foto: Imago
Und nun? Der Trainer von Wodnik (links) und ein Direktor des russischen Bady-Verbandes vor der Tagung der Disziplinarkommission...Foto: Imago

20 Eigentore, ein Endergebnis von 11:9. Zwei Teams der ersten russischen Bandy-Liga haben sich überhaupt keine Mühe bei der Manipulation gegeben, gegen Ende des Spiels rannte die Heimmannschaft aus Wodnik verzweifelt auf das eigene Tor zu. Aber der Gast aus Irkutsk ging schließlich doch als Sieger vom Eis. Nun ist Bandy, eine Variante des Eishockey und mit Ball und im Fußballstadion ausgetragen, in Russland und Skandinavien keine kleine Sport-Nummer. In Russland spielen sie es sogar schon länger als Eishockey. Wodnik Archangelsk ist immerhin neunmaliger nationaler Meister in der Sportart, beide Teams wollten verlieren, um so einem stark eingeschätzten Gegner in den Play-off aus dem Wege zu gehen. Am Ende jedoch haben sie in Sachen Sportlichkeit und Fairplay Geschichte geschrieben.

Man stelle sich vor: Am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga braucht Mönchengladbach noch unbedingt drei Punkte, der 1. FC Köln lässt im Derby den Lieblingsfeind gewinnen. Denn lieber Gladbach in der kommenden Saison im Heimspiel als Darmstadt 98 in der nächsten Saison. Oder ein anderes, denkbares Szenario: Borussia Mönchengladbach muss am letzten Spieltag hoch bei Borussia Dortmund gewinnen, um den 1. FC Köln noch abzufangen an der Tabellenspitze. Und Gladbach gewinnt zum Beispiel, sagen wir 12:0.

Schnelles Spiel. Bandy ist auch in Skandinavien populär (hier eine Szene aus der schwedischen Liga). Foto: Imago
Schnelles Spiel. Bandy ist auch in Skandinavien populär (hier eine Szene aus der schwedischen Liga).Foto: Imago

In Ordnung, das Ergebnis gab es schon. Und natürlich haben sie sich bei Borussia Dortmund damals vor knapp 40 Jahren in der Bundesliga mehr Mühe gegeben, auf dem Platz ein reguläres Spiel hinzulegen als nun in Russland in Bandy. Das Spiel ist sicher ein einsamer Rekord. Es ist zum Glück nicht erstaunlich, dass die 20 Eigentore in Russlands Sportwelt ein großer Aufreger ist. Von einem "Selbstmord des russischen Hockeys" schreibt die Zeitung "Sport-Ekspress". Der Autor fordert eine lebenslange Sperre aller Beteiligten. Und der russische Bandyverband hat nun auch knallhart durchgegriffen: Er setzt das Spiel neu an. Eigentore sind allerdings auch dann nicht verboten.

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