3:0 bei Hannover 96 : Borussia Mönchengladbach weiter ungeschlagen

Borussia Mönchengladbach etabliert sich mit einem souveränen 3:0-Auswärtssieg bei Hannover 96 weiter als erster Bayernverfolger in der Bundesliga. Max Kruse trifft zwei Mal und deutet an, dass er höheren Ansprüchen auf Dauer gerecht werden kann.

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Nationalstürmer Max Kruse (m.) war gegen Hannover 96 zwei Mal erfolgreich.
Nationalstürmer Max Kruse (m.) war gegen Hannover 96 zwei Mal erfolgreich.Foto: dpa

Das Gelächter über den Bundesliga-Schiedsrichter und sein neues Spray war noch nicht ganz verstummt. Und vermutlich hatte die allgemeine Belustigung über dessen frisch aufgetragene Abstandsmarkierung so manchem im Stadion ein wenig abgelenkt. Es war Granit Xhaka im Trikot von Borussia Mönchengladbach, der den komischen Moment rund um den bemalten Rasen für sich zu nutzen wusste. Sein wuchtiger Freistoß war in der 49. Minute direkt im Tor gelandet und hatte den 3:0 (1:0)-Erfolg bei Hannover 96 besiegelt. Das intelligentere und engagierte Team, für das auch Max Kruse in der 14. Minute per Flugkopfball und mit einem Lupfer kurz vor Abpfiff erfolgreich war, setzte sich verdient durch. Borussia Mönchengladbach etabliert sich damit als erster Herausforderer von Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern München. Der Sieg bei Hannover 96 war so souverän herausgespielt, dass die harmlosen Bemühungen des Gastgebers fast schon ein wenig Mitleid verdienten.

 Für ein Team, das von seinen drei bisherigen Heimspielen drei gewonnen hatte, genehmigte sich Hannover 96 erschreckend viele Fehler im Spielaufbau. Was auch immer Ceyhun Gülselam als Abräumer vor der Abwehr oder sein Kollege Hiroshi Kiyotake als Ballverteiler versuchten – es half nur dem Gegner weiter. Schon Mitte der 1. Halbzeit, als Gülselam wieder einmal einen Pass ins Niemandsland beförderte hatte, waren die ersten Pfiffe enttäuschter Fans zu hören. Auch die Körpersprache der Stürmer in Diensten von Hannover 96 war eindeutig. Hängende Köpfe und enttäuschtes Abwinken bei Joselu sowie Jimmy Briand: Solcher Gesten bedient man sich als Angreifer, wenn nahezu jeder Laufweg umsonst ist und kein sinnvolles Zuspiel die Offensivabteilung erreicht.

 Borussia Mönchengladbach startete in offensiver Ausrichtung

Das Duell des heimstarken Hannover 96 mit der in dieser Saison noch ungeschlagenen Borussia aus Mönchengladbach fand seine Entscheidung bereits in der systematischen Grundordnung. Tayfun Korkut nimmt seit seinem Amtsantritt in Hannover für sich in Anspruch, als Cheftrainer größten Wert auf eine kollektives Miteinander und variierende Systeme innerhalb eines Bundesligaspiels zu legen. Ähnliche Ansprüche hegt allerdings auch seine Kollege Lucien Favre. Der Chefdenker des Gladbachers Erfolges hatte sich für den 8. Spieltag eine offensive Formation ausgedacht, deren Wirken nur schwer auszurechnen war. Andre Hahn und Patrick Herrmann als Flügelflitzer, Raffael als hängende Spitze ergänzt durch Nationalspieler Kruse: Das war eine Mischung, die deutlich mehr Erfolg versprach als die eher biederen Angriffsbemühungen von Hannover 96. Und es fiel gar nicht einmal großartig auf, dass Gladbach seinen hochbegabten Mittelfeldspieler Christoph Kramer wegen eines grippalen Infektes nicht aufbieten konnte.

 

Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga behauptet nach dem 8. Spieltag, dass Mönchengladbach zur nationalen Elite zählt. Vor allem Herrmann und Kruse deuteten in Hannover vor 49 000 Zuschauer mit ihrer individuellen Klasse und gedankenschnellen Aktionen an, dass sie höheren Ansprüchen auch auf Dauer gerecht werden können. Aber wie formuliert es ihr Kollege Tony Jantschke so schön: „Wir fangen jetzt nicht an zu spinnen.“ Souverän und frei von Allüren behaupteten die Gladbacher in Hannover ihre Führung und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Und der Anhang der Gäste hatte noch genügend Zeit, sich verbal mit neidischen Sprechchören über den ungeliebten 1. FC Köln, Träumen vom europäischen Fußball und eben dem Schiedsrichter-Spray zu beschäftigen.

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