Alba Berlin besiegt Bonn 94:73 : Erst Keilerei, dann klarer Sieg

Klare Sache für Alba Berlin im Heimspiel gegen Bonn. Aber das 94:73 gerät angesichts einer zünftigen Keilerei und etlichen Disqualifikationen beinahe zur Nebensache.

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Wenn Du mich haust, haue ich zurück. Will Cherry wurde wie sechs andere Spieler das Feld vorzeitig verlassen. Foto: Imago
Wenn Du mich haust, haue ich zurück. Will Cherry wurde wie sechs andere Spieler das Feld vorzeitig verlassen.Foto: Imago

Nach Spielschluss stellten die Verantwortlichen von Alba Berlin die entscheidende Szene noch einmal nach. Vor der Kabine hackte Geschäftsführer Marco Baldi im angeregten Gespräch immer wieder zwischen Sportdirektor Himar Ojeda und Trainer Sasa Obradovic. Worüber Baldi sich so ereiferte, war Ende des dritten Viertels passiert: Nach einem Korb für Alba schlug der Bonner Sean Marshall nach Kresimir Loncar. Der Berliner wollte ihn zu Rede stellen, Bonner Spieler stürmten von der Bank aufs Feld, ein Rudel bildete sich, Loncar musste zurückgehalten werden und sein Mitspieler Will Cherry im Wortduell mit Bonns Eugene Lawrence ebenfalls. Die Schiedsrichter unterbrachen das Spiel, berieten minutenlang und sprachen schließlich sage und schreibe sieben Platzverweise wegen „Fighting“ aus. Loncar und Cherry verließen dabei unter Applaus der Zuschauer die Halle, während die Bank der mit zehn Spielern angereisten Bonner plötzlich komplett verwaist war: Sie hatten nur noch fünf Spieler, die fortan auf dem Feld bleiben mussten.

Albas 94:73 (20:17, 27:17, 22:18, 25:21)-Sieg vor 11 654 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof geriet in der Folge fast zur Nebensache. „Wir haben uns gewehrt, als sie auf uns losgegangen sind“, blickte Flügelverteidiger Akeem Vargas auf die Szene zurück. „Es war schön zu sehen, dass wir die smartere Mannschaft waren als die Bonner, bei denen alle losgestürmt sind.“ Wobei es interessant gewesen wäre, hätte sich die Szene vor der Berliner Bank ereignet. Danach „wollten wir den 20-Punkte-Vorsprung solide herunterspielen“, sagte Vargas, der sich dennoch über den Sieg freute. „Das ist das einzige was zählt, der Rest gehört aber auch dazu. Basketball muss nicht immer schön sein, sondern manchmal auch dreckig.“

Die Schiedsrichter verwiesen insgesamt sieben Spieler des Feldes

So entspannt gingen nicht alle mit den Vorfällen um. „Ich habe nichts gemacht“, beteuerte Loncar, der trotz des Feldverweises mit 25 Punkten Alba Topscorer war. Wie Cherry und die fünf Bonner erhält er nun automatisch ein Spiel Sperre, über weitere Strafen entscheidet die Liga. „Marshall hat mich nicht getroffen, aber in meinem Haus lasse ich so etwas nicht mit mir machen“, sagte Loncar und klagte: „Das ganze Spiel war voller Provokationen der Bonner.“

In die gleiche Kerbe schlugen auch die Verantwortlichen der Berliner. „Seit Wochen spielen die Gegner extrem hart und physisch gegen uns, auf Elmedin Kikanovic wurde eingehackt“, klagte Geschäftsführer Baldi. „Wir werden nicht geschützt“, ereiferte sich Coach Obradovic. „Ich erwarte, dass wir fair behandelt werden.“ Doch auch sein Trainerkollege Silvano Poropat war unzufrieden, dass fünf seiner Spieler vom Feld gestellt wurden. „Die Liga und die Schiedsrichter sollte ihre Regeln und Kriterien hinterfragen“, sagte der Bonner Coach, „ich hoffe, sie ziehen die richtigen Schlüsse.“ Er sei stolz, wie seine fünf verbliebenen Spieler das Spiel zu Ende gebracht hätten. Zwei Spieler braucht ein Team übrigens mindestens, um Einwürfe auszuführen, sonst wird ein Spiel abgebrochen.

Zur Wahrheit um übertriebene Härte gehört natürlich auch, dass viele Mannschaften versuchen, einfach nur mit Albas Grad an Aggressivität mitzuhalten. „Ich werde meine Spieler weiter antreiben, ans Maximum zu gehen und physisch zu spielen“, sagte Obradovic.

Bei all den Debatten um die Keile ging unter, dass Alba eine deutliche Leistungssteigerung zeigte, den Ball flüssig bewegte und diesmal eine gute Balance zwischen Zwei- und Dreipunktewürfen fand. Nur so am Rande erwähnt.

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