Alba Berlin : Es ist nicht alles Schrott, was glänzt

Alba Berlins neues Team findet sich derzeit noch – zur Gewöhnung aneinander gehören besondere Ausflüge und auch Rückschläge. Den ersten Sieg gab's schon.

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Reingeschaufelt. Neuzugang Johnson beim Schrottplatz-Besuch.
Reingeschaufelt. Neuzugang Johnson beim Schrottplatz-Besuch.Foto: Alba Group/R. Spiegel

Alba Berlin hat Dominique Johnson und Malcolm Miller als Scharfschützen verpflichtet, doch den Korb verfehlen die beiden Basketballer um Längen. Der neue Center Bogdan Radosavljevic sitzt feixend am Hebel des Baggers und hebt die Schaufel, an der der Korb hängt, noch einige Meter höher. Die beiden Teamkollegen müssen senkrecht in die Luft werfen, treffen ist da fast unmöglich.

Die neue Alba-Mannschaft hatte viel Spaß beim Besuch eines Schrottplatzes des Hauptsponsors vor einer Woche. „Die Spieler sollen gleich wissen, wo und für wen sie spielen“, hatte Geschäftsführer Marco Baldi erklärt. Eine Art Klassenfahrt zum Kennenlernen, auch anlässlich des 25. Jubiläums der Sponsoren-Kooperation, das zwei Jahre nach dem 25. Vereins-Jubiläum nochmal gefeiert wird.

Ernster ging es da schon beim ersten Testspiel zu, das am Dienstagabend beim Zweitligisten Rockets Gotha 86:92 verloren wurde. Am Donnerstag bestritt Alba bereits das nächste Freundschaftsspiel gegen Erstligist Braunschweig, das mit 86:59 gewonnen wurde, Topscorer war erneut Spielmacher Siva mit 18 Punkten.

„Der Start in Berlin fühlt sich gut an“, sagt der neue Trainer Ahmet Caki, ein ernst wirkender Zeitgenosse. „Aber wir müssen hart arbeiten und brauchen Zeit.“ Die Auftaktniederlage gegen Gotha vor knapp 3000 Zuschauern in Erfurt stört ihn wenig. „Meine Spieler hatten zwei Wochen sehr hartes Training in den Beinen“, sagte er danach. „Bei Testspielen ist das Ergebnis nicht so wichtig, aber insgesamt war ich mit unserer Leistung nicht zufrieden.“ Immerhin überzeugten die Neuzugänge Radosavljevic und Peyton Siva gleich als Topscorer mit je 20 Punkten.

Derzeit fehlen noch die Nationalspieler Niels Giffey, Akeem Vargas und Elmedin Kikanovic

„Hier habe ich auf jeden Fall ein höheres Level, mehr Druck und Verantwortung als vorher in Tübingen, aber die Herausforderung wollte ich haben“, sagt Radosavljevic, zu dem die neuen Kollegen nicht nur wegen der Größe von 2,13 Meter aufschauen. Der Deutsch-Serbe ist gleich ein Wortführer und Spaßvogel im Team. Zum Einleben hat der 23-Jährige auf einen Sommer bei der Nationalmannschaft verzichtet. „In Berlin ist alles relaxter und entspannter“, sagt der einstige Münchner über die Stadt, „aber das Ziel ist, wieder oben mitzuspielen, dafür arbeiten wir sehr hart.“

Derzeit fehlen noch die Nationalspieler Niels Giffey, Akeem Vargas und Elmedin Kikanovic, die erst Mitte September zurückkehren, eine Woche vor Saisonstart. Also muss Caki ohne drei Stammkräfte an der Abstimmung arbeiten. „Wir wollen das Spiel kontrollieren, unabhängig vom Punktestand“, formuliert er seine Philosophie. Da bleibt wenig Zeit für Spaß, der Türke pendelt derzeit nur zwischen Wohnung, Büro und Trainingshalle, mehr hat er nicht gesehen von der Stadt. Der Besuch auf dem Schrottplatz war da schon das touristische Highlight. „Aber ich habe gehört, dass man in Kreuzberg sehr gut essen kann, das muss ich mir mal ansehen.“ Vorher geht es aber zurück in die Türkei, für ein Vorbereitungsturnier in Istanbul, es folgt ein weiteres auf Sardinien. Spätestens beim ersten Bundesliga-Spiel am 24. September gegen Bonn daheim wird Caki dann wissen, ob Alba mit den sechs Neuzugängen Schrott verpflichtet hat oder pures Gold. Oder ob nur etwas nachpoliert werden muss.

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