Alba Berlin in Ludwigsburg : Ein Wiedersehen mit Cliff Hammonds

Publikumsliebling Cliff Hammonds ließ Alba Berlin 2015 für die Familie sitzen. Nach einem verlorenen Jahr spielt er jetzt für den heutigen Gegner Ludwigsburg.

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Blick zurück nach Berlin? Cliff Hammonds (r.) hat in Ludwigsburg unterschrieben und trifft heute auf Alba.
Blick zurück nach Berlin? Cliff Hammonds (r.) hat in Ludwigsburg unterschrieben und trifft heute auf Alba.Foto: dpa

Mit schlechten Gefühlen will Marco Baldi sich nicht lange aufhalten. „Ich suche eher gute Gefühle“, sagt der Geschäftsführer von Alba Berlin. Das fällt schwer vor einem Auswärtsspiel in Ludwigsburg. Seit Februar 2012 haben die Berliner dort nicht mehr gewonnen und vergangene Saison alle vier Pflichtsspiele gegen die Riesen verloren. Jetzt treffen sie in Schwaben auch noch auf Cliff Hammonds, der am Sonntag sein Bundesliga-Comeback gibt (15.30 Uhr/Telekombasketball.de). Das Wiedersehen mit dem einstigen Publikumsliebling könnte eigentlich für gute Gefühle sorgen, wenn der Verteidigungsspezialist nicht gegen Alba und für den Angstgegner spielen würde. „Cliff bereichert Ludwigsburg um eine klare Qualität“, glaubt Baldi, der Tabellenfünfte werde „noch einmal stärker“. Man müsse nur abwarten, in welcher Verfassung sich der 30-Jährige befinde. Nach einem Kurz-Engagement in Frankreich hat er am Dienstag einen Einjahresvertrag in Ludwigsburg unterschrieben und tags darauf bereits elf Punkte gegen Charleroi erzielt. In Berlin fragen sich viele Fans bis heute: Warum spielt Hammonds nicht für Alba?

Vor anderthalb Jahren gab es da gar keine Frage. Hammonds prägte bis 2015 ein starkes Alba-Team, in der Bundesliga erreichte er mit den Berlinern Finale und Halbfinale und wurde zweimal in Folge zum Verteidiger des Jahres gewählt. Während Leistungsträger wie Reggie Redding, Alex Renfroe und Leon Radosevic Alba letztes Jahr im Sommer schnell verließen, hatten die Berliner bei Hammonds gehofft und ein Angebot unterbreitet. Unter Sasa Obradovic war der US-Amerikaner in Berlin immerhin zum ersten Mal in seiner Karriere so richtig aufgeblüht, nach einer Odysee durch die Türkei, Puerto Rico, Griechenland, Frankreich und Bosnien. Doch Hammonds hielt Alba lange hin.

Es gab Komplikationen beim Kind

Nicht weil er um mehr Gehalt pokerte, sondern weil seine Frau in den USA das fünfte Kind erwartete, dazu kamen Komplikationen. „Wir hätten ihn gerne gehalten, aber er wollte bei der Familie bleiben“, sagte Baldi, „irgendwann begann die Saison und wir mussten anders planen.“

Obwohl Ludwigsburg schon damals interessiert war, blieb Hammonds in Amerika und stieg erst Mitte November bei einem Team namens Reno Bighorns ein, in der Reserveliga der NBA. „Es war klar, dass er sich in der D-League nicht wohl fühlt“, sagt Baldi, „die spielen dort praktisch ohne Defensive und nur für individuelle Statistiken.“ Unter Fans und in Intenetforen kamen seither immer wieder Gerüchte und Wünsche auf, Alba könne Hammonds doch einfach zurückholen.

Schließlich hatten die Berlinern an seinen Nachfolgern weniger Freude: Jordan Taylor und Will Cherry enttäuschten im Vorjahr, in dieser Saison suchen Peyton Siva, Engin Atsür und Ismet Akpinar noch ihre Form. „Zu dieser Saison war Cliff kein Thema“, stellt Baldi klar. Der neue Trainer Ahmet Caki und Sportdirektor Himar Ojeda hatten da andere Vorstellungen. Und davor? „Weiß ich nicht mehr“, sagt Baldi nur. Und weist darauf hin, dass Hammonds ein spezieller Spielertyp sei, mit klaren Stärken in der Defensive und Spielorganisation. Im Angriff ist der Guard limitierter. „Cliff passt nicht in jede Spielphilosophie“, sagt Baldi. „Bei Sasa Obradovic passte er gut rein und bei John Patrick ist er auch gut aufgehoben.“ Der Ludwigsburger Trainer ist seit Jahren für seine Defensivtaktik bekannt.

Und Hammonds sei „ein Vollprofi, der noch einige Jahre auf höchstem Niveau spielen kann“. Er habe lediglich ein verlorenes Jahr gehabt, das ihn vom Schirm vieler Vereine verschwinden ließ, auch in Berlin. „Manche Dinge sind eben wichtiger, wie die Familie“, sagt Baldi. Dass Basketball nicht alles ist, zeigt in Ludwigsburg auch Jon Brockman: Einer der stärksten Center der Liga pausiert diese Saison.

Ende September landete Hammonds wieder in Europa, im französischen Limoges, mit einem Vertrag für sechs Wochen. Und kehrte jetzt plötzlich in die Bundesliga zurück. Wie das alles kam, weiß Baldi nicht. „Das erzählt mir Cliff bestimmt am Sonntag.“ Das Wiedersehen dürfte für gute Gefühle sorgen. Vor dem Spiel.

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