Auslaufen mit Lüdecke : Die Lage beim HSV ist schwierig, aber aussichtslos

Unser Kolumnist Frank Lüdecke wundert sich darüber, wie die Verantwortlichen beim Hamburger SV die Situation des Klubs kommentieren.

Frank Lüdecke
Hamburgs Torwart Rene Adler ist nach dem 2:5 gegen Dortmund frustriert.
Hamburgs Torwart Rene Adler ist nach dem 2:5 gegen Dortmund frustriert.Foto: dpa

Na endlich! Mal was Positives aus Hamburg. Der HSV hat zwei Tore geschossen. Sie lesen richtig! Nach fast acht Spielen haben die Hamburger Fußballprofis mal wieder getroffen. Kleiner Wermutstropfen: Dafür wurden gleich fünf Tore kassiert. Zu Hause. Uwe Seeler war im Stadion und feierte seinen 80. Geburtstag. Muss ’ne prickelnde Party gewesen sein…

Schade eigentlich. Das sei jetzt eine schwierige Situation für Mannschaft und Verein, sagte der neue Trainer Markus Gisdol. Zur Erinnerung: Er übernahm eine Mannschaft, die kein Spiel gewonnen hatte und auf dem drittletzten Tabellenplatz stand. Kleine Veränderungen sind inzwischen sichtbar. Die Mannschaft hat zwar immer noch kein Spiel gewonnen, dafür ist sie jetzt Letzter.

Beim HSV gibt es kaum mehr Hoffnung

Ich muss ehrlich sagen, ich finde, das Wort „schwierig“ entspricht nicht ganz der aktuellen Hamburger Lage. Denn in dem Wort „schwierig“ steckt auch etwas Kämpferisches. Die Lage ist schwierig, aber … und dann kommt doch immer irgendwas Positives. Etwas, das Hoffnung vermittelt. Was sollte das sein, in Hamburg? Die Lage ist schwierig, aber wir haben ja einen neuen Trainer? Die Lage ist schwierig, aber wir vertrauen auf unsere Abwehr, die schon 23 Tore kassiert hat? Oder: Die Lage ist schwierig, aber Uwe Seeler ist immer noch ein toller Typ, auch mit 80? Wenn man realistisch ist, wird man es anders formulieren müssen. Die Lage ist schwierig, aber es hat noch keine Mannschaft geschafft, in der Bundesliga zu bleiben, die nach zehn Spieltagen nur zwei mickrige Punkte auf dem Konto hatte.

Dagegen hat Bayern München Luxusprobleme, als Tabellenerster. Der neue Bayern-Trainer Ancelotti attestierte seinem Team nach dem 1:1 zu Hause gegen Hoffenheim eine „gute Einstellung“. Gegen Hoffenheim! Ich mag mich irren, aber eine gute Einstellung ist in München zu wenig, oder? Eine gute Einstellung ist da eher Selbstverständlichkeit. Eigentlich wird bei denen eine sehr gute Einstellung erwartet. Und betont wird sie eigentlich auch nicht. Vor allem nicht nach einem Unentschieden gegen Hoffenheim.

Über Hertha BSC möchte ich im Moment nichts sagen. Nur so viel: Die aktuelle Lage ist blendend. Und die Einstellung könnte auch nicht besser sein. Das lassen wir mal so stehen. Dafür lieber noch ein Wort zu Wolfsburg: Wolfsburg hat ja kürzlich auch den Trainer entlassen, jetzt aber endlich mal gewonnen. Doppeltorschütze Mario Gomez sagte, der Sieg sei so wichtig gewesen, denn sie wollten in Wolfsburg keine „Trainer-Vernichtungsmaschine“ sein. Da brauchen sie keine Sorge haben, in Wolfsburg. Wirklich nicht. Die Trainer-Vernichtungsmaschine liegt etwa 180 Kilometer nördlich von Wolfsburg.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke bilanziert hier jede Woche den Spieltag der Fußball-Bundesliga.

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