Auslaufen mit Lüdecke : Hannover 96: Nichtschwimmer als Bademeister

Da haben sie sich in Hannover einen Retter geholt und spielen mit Thomas Schaaf wie ein Drittligist. Unser Kolumnist verrät dem 96-Trainer, was er sich bei Hertha BSC abgucken kann.

Frank Lüdecke
Verschieben oder was? Thomas Schaaf im Einsatz.
Verschieben oder was? Thomas Schaaf im Einsatz.Foto: dpa/Steffen

Mit Beginn der Rückrunde stehen die Vereine unter verstärktem Druck. Die größten Sorgen macht man sich derzeit beim Tabellenletzten in Hannover. Dort hadern sie mit einer äußerst mysteriösen Raum-Zeit-Verschiebung: Man steht zwar mit einem Bein in der Zweiten Liga, spielt aber bereits wie ein Drittligist. Dabei hat Hannover 96 extra einen Retter verpflichtet. Trainer Thomas Schaaf, der den Fußball damals nach Bremen brachte. Drei Spiele hatte der neue Coach bislang. Und alle drei wurden verloren. Was ist das für eine Bilanz, fragt man sich? Das ist doch keine Bilanz für einen Retter. So ein Retter ist ja wie ein Bademeister, der nicht schwimmen kann. Der sagt: „Drei sind bislang ertrunken, aber ich bleibe optimistisch.“

Es ist immer bedenklich, wenn die größte Laufleistung des Teams vom Trainer gezeigt wird, der die Außenlinie hoch und runter rennt. Auch die Körperspannung des Übungsleiters übertraf die seiner Spieler bei weitem. So geht das nicht. In einer Situation konnten sieben (!) Verteidiger zwei Stürmer nicht daran hindern, ein Tor zu erzielen.

Wie man richtig verteidigt, hätten die Hannoveraner bei Hertha beobachten können. Beim Unentschieden gegen Dortmund konnte Top-Stürmer Aubameyang nur einen einzigen Zweikampf gewinnen. Im gesamten Spiel nur einen einzigen, lächerlichen Zweikampf! Warum? Weil wir in die Zweikämpfe gehen. Bissig. Und weil wir das üben. Üben! Üben! Üben! Hertha übt Zweikämpfe sogar noch nach den Spielen im Mannschaftsbus. Vorne tüfteln die Trainer an der Taktik und hinten praktizieren sie das Gegenpressing.

Aber nur so geht’s.

Tuchel so froh sein, dass der Platz im Olympiastadion überhaupt bespielbar war

Unverschämt übrigens die Äußerung von Dortmunds Trainer Tuchel. Der Platz im Olympiastadion sei in einem „extrem bescheidenen Zustand“ gewesen. Und das „mache keinen Spaß“. Na und? Was sollen wir denn sagen? Hier verkehren die S-Bahnen nach dem Zufallsprinzip. Die Turnhallen weisen noch Originalbaumängel aus der Weimarer Republik auf und der Flughafen… aber lassen wir das. Tuchel soll froh sein, dass der Platz überhaupt in irgendeinem Zustand war.

Vielleicht fehlt Thomas Schaaf in Hannover auch eine gewisse Flexibilität. Wie sie zum Beispiel der neue Stuttgarter Trainer Kramny an der Tag legt. Er konnte die letzten vier Spiele in Folge gewinnen. Und warum?

Weil er seine Hose nicht wäscht. Der Stuttgarter Trainer gab deutlich zu verstehen, dass das auch so bleiben wird. Solange seine Mannschaft gewinnt, wird er sie nicht waschen. Nun musste die Hose doch gewaschen werden. Aber nicht aus sportlichen Gesichtspunkten, sondern wegen anderer Punkte. Und was soll man sagen? Sogar mit der frisch gewaschenen Hose gewann Stuttgart in Frankfurt. Und das macht eben einen erfolgreichen Trainer aus. Er variiert in Drucksituationen, bleibt flexibel und nimmt notfalls auch den hygienischen Zustand seiner Bekleidung in Kauf.

Ich lege mich fest: Hannover steigt ab.

- Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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