Auslaufen mit Lüdecke : Wen entlassen wir denn jetzt, lieber HSV?

Noch kein Saisonsieg und seit sieben Spielen torlos: Da entlässt ein Bundesliga-Verein normalerweise den Trainer. Ist beim HSV aber schon passiert. Unser Kolumnist fragt sich, was da nun noch kommen soll.

Frank Lüdecke
Lange Gesichter beim HSV. Es läuft mal wieder nichts zusammen. Foto: dpa
Lange Gesichter beim HSV. Es läuft mal wieder nichts zusammen.Foto: dpa

Der Hamburger Sport-Verein ist Tabellenletzter und hat seit sieben Spielen kein Tor geschossen. Chapeau! Nun haben sie zu Hause 0:3 gegen Frankfurt verloren. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Da sie nämlich gerade erst den Trainer entlassen haben, nun aber auch unter dem neuen Übungsleiter weder ein Spiel gewinnen, noch ein Tor schießen konnten, weiß man zumindest: Am Trainer liegt die Misere offenbar nicht.

Der Aufsichtsratschef, ein Mann namens Gernandt, war nach dem Spiel außer sich. Vor allem bemängelte er die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit. Nun kann man dem HSV ja vieles vorwerfen, aber fehlende mannschaftliche Geschlossenheit nun wirklich nicht. Die Geschlossenheit war sogar frappierend. Denn alle Spieler bekamen nach dem Spiel die Note 6, außer dem Torwart. Der erhielt ein „Ausreichend“. Aber Torwarte sind ja immer Individualisten.

Die erschreckenden Leistungen müssen also irgendeinen anderen Grund haben. Aber welchen? Oftmals liegt es ja auch an den Strukturen oder so. Aber entlassen Sie mal Strukturen. Das ist gar nicht so einfach. Doch wen könnte man sonst entlassen? Denn entlassen werden muss jemand, das ist klar. Wir reden schließlich über den HSV. Insofern wird es wohl wieder auf den „Hamburger Weg“ hinauslaufen. Man ersetzt den neuen Trainer durch einen ganz neuen. Das bringt zwar auch nix, aber man beweist wenigstens Handlungsfähigkeit, in den Strukturen. Und nimmt so Druck von der Mannschaft.

In Wolfsburg zum Beispiel hat das funktioniert. Auch hier fehlten positive Ergebnisse. Auch hier wurde der Druck so groß, dass der Trainer entlassen werden musste. Das war enorm wichtig für die Mannschaft, die nun völlig unbeschwert mal unter einem anderen Trainer verlieren konnte. 1:3 in Darmstadt, das muss man auch erst mal hinkriegen, mit so einem Kader.

In Berlin ist die Sache etwas kniffliger. Hertha BSC liegt nur drei Punkte hinter Tabellenführer München und man hat den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hingelegt. Man kann es drehen und wenden wie man will: Es gibt derzeit keine objektiven Gründe, Trainer Dardai zu entlassen. Kenner der Szene sind mit diesem Phänomen bestens vertraut. Oftmals ist nämlich Erfolg einer der Hauptgründe, warum ein Trainer nicht entlassen werden kann. Wenn der Trainer Erfolg hat, bringt seine Entlassung in aller Regel wenig. In solchen Fällen müssen die Klubverantwortlichen Ruhe bewahren und erst mal abwarten. Wer lange genug dabei ist, weiß ohnehin, dass auch Phasen des Erfolges irgendwann überwunden werden können. Das geht schon.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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